Donnerstag, 29. März 2012

Gespräche jetzt immer nur noch von irgendwoher - Der Untergrundbelletrist Uwe Peters im Interview mit der NL


Mit „Gespräche jetzt immer nur noch von irgendwoher“ (2009) tauchte Uwe Peters unvermittelt in der deutschen  Literaturszene auf, um kurz darauf genauso unvermittelt wieder abzutauchen. Als einen "Erfolg" im eigentlichen Sinn kann man seine "Romanminiatur" wohl nicht bezeichnen, da Peters deren Auflage bewusst auf 600 unsignierte Exemplare begrenzen ließ. Wie ein kindsköpfiger Kauz scheint der mittelgroße, gemütlich wirkende Mann um die Vierzig von der Idee besessen, seine eigene Vorstellung von Literatur unterhalb von Marktkonventionen und Aufmerksamkeitsspielen durchzusetzen - was immer das dann auch genau heißen mag. Wir haben uns mit Peters in einem kleinen Internet-Café in der Nähe von Gräfelfing getroffen.
NL: Herr Peters, Sie treten selten öffentlich in Erscheinung, Ihre in sehr begrenzten Auflagen erscheinenden Texte gelten bei einigen Ihrer Kritiker als eine „fragile Subversion des zeitgenössischen Literaturbetriebs“, die „ohne Pathos“ und lautstarke „Publikumsbeschimpfungen“ auskommen würde. Wie schätzen Sie selbst Ihr Verhältnis zum gegenwärtigen Literaturgeschehen ein?

Peters: Wissen Sie, ich habe vor einigen Wochen mit einem befreundeten Literaturkritiker über dieses Thema gesprochen. Der meinte ganz unverblümt: „Weißt Du, Uwe, das ist jetzt die Situation, mit der wir uns abfinden müssen: heute haben alle entweder Hunger nach dem, was sie für ihr eigenes, ein für allemal verpasstes Leben halten, oder sie suchen nach Rechtfertigungen dafür, dass ihr Leben nicht das geworden ist, das sie sich einmal erträumt hatten. Die ersten wollen Bücher lesen, in denen´s noch einmal so richtig zur Sache geht, bevor sie sich dann selbst verabschieden, die anderen wollen Helden, die orientierungslos und verkorkst durch ironisierte Job- und Beziehungs-Wüsten wandern und unglücklich und halblebig-resigniert ihre gescheiterten Ambitionen reflektieren.“ Ich kann mich dieser Beobachtung nur anschließen.

NL: Was ist falsch an „ironisierten Job- und Beziehungs-Wüsten“ und „halblebig-resignierten“ Helden?

Peters: Ich kann es einfach nicht ausstehen, wenn da so ein paar vor allem modisch engagierte Halb-Erwachsene mit ihrem Huch-die-Coladose-fällt-zu-Boden-sein-rechter-Schuh-drückt-ihm-heftig-gegen-den-Kopf ihre eigene Desorientierung und Verwirrtheit in Worte zu kleiden versuchen, um das dann als als „junge und ungestüme - "tabulos" sagen manche! [lacht] - Literatur“ an wohlsituiertere Damen und Herren zu verkaufen, die darin dann zu allem Überfluss noch "Ironie" vermuten. Wer so etwas lesen will, der soll es natürlich lesen, aber für mich ist das nichts. Man muss ja nicht gleich mit jedem Satz bis in die Antike zurücksteigen, aber die Literatur, die ich mir wünsche, besitzt trotz einer gewissen Gegenwartssättigung immer noch ein Gespür für die "größeren Zusammenhänge".

NL: Haben sie da jeweils konkrete Autoren im Blick?

Peters: Nein.

NL: Man hat Ihnen vorgeworfen, dass ihre Verweigerung gegenüber der Öffentlichkeit letztlich auf Ihr eigenes Unbehagen zurückzuführen sei, dass Sie mit Ihrer Haltung gegen etwas polemisierten, das so, wie Sie es beschreiben, eigentlich gar nicht existiert. Können Sie solchen Beobachtung zustimmen?

Peters: Das müssen andere entscheiden.

NL: Herr Peters, wir danken Ihnen für das Gespräch.
[17.06.11]

Kommentare:

  1. Das Buch ist beinahe unlesbar! Ich bin nach zwanzig Seiten ausgestiegen. Schade um das schöne Design!

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  2. Hey, der Autor ist ein cooler Typ! Der Uwe aber auch. Beim Layout hat der Verlag ziemlich geknausert, aber der Inhalt zählt! Leseempfehlung!!!

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