Montag, 4. Juni 2012

Der Ressentiment-Detektor: Wer hat Angst vor "du weißt schon wem"?


Gängige Ressentiment-Frühwarnsysteme sind technisch heute leider immer noch nicht weit genug entwickelt, um in allen Fällen zuverlässig und frühzeitig erkennen zu lassen, wann man sich von welchen Gesprächs-Gewässern besser fernhalten sollte. Schnell ist es zu spät: auf einmal steckt man mitten im klebrigen Sumpf vorgetäuschter Kenntnisse, ungedeckter Polemiken und augenzwinkernden Sich-Verlassens auf geteilte Geringschätzung diffuser Diskursgespenster ("Ach, die Analytiker / die Phänomenologen / die Franzosen / etc. !"). 

(Das Jargongespenst versteckt sich im Nebel der Argumente)
Erst vor kurzem hat das von M. verwendete Frühwarnsystem wieder einmal versagt: unbedarft ein Interview mit "jungen Philosophen" lesend tauchte auf einmal das Ressentiment in Form einer Kurzcharakterisierung der "französischen Kulturphilosophie [sic!]" wieder auf: "große Worte, schöne Metaphern und krasse Theorien, die sich aber schnell als Banalitäten oder Unsinn entpuppen." [Zitat aus performativen Gründen nicht kenntlich gemacht ("(Ich verzichte hier und im folgenden auf Quellenangaben; die Zitate stehen exemplarisch für viele)." - Schwitalla, Ein neuer Jargon in der Literaturwissenschaft, zitiert nach Schumacher 2000))]

Dieser Schulbuchfall knackiger Punchline-Philosophie inspiriert zu einer Vorschule des gekonnten Ressentiments:

Phase I: Den Gegenstand des Ressentiments niemals zu genau definieren! 

Merke: Wer im Nebel stochert, muss keine Nadeln in Heuhaufen suchen. Für gekonntes Ressentiment ist es daher wichtig, sich keiner zu konkreten Argumente zu bedienen und auch nicht zu genau festzulegen, welcher Autor oder Text gerade gemeint ist, so vermeidet man die Möglichkeit konkreter Entgegnungen. Besser noch: Wer sich angesprochen fühlt, meldet sich ganz von selbst auf der Seite der Gespenster:
Der konkrete Adressat wird jeweils nur sehr ungenau bestimmt, verschwindet partiell ganz und kann so zu einem undefinierbaren Jargon-Gespenst stilisiert werden, bei dem die Unterschiede zwischen Derrida, Deleuze, Baudrillard oder Kittler genauso wenig eine Rolle spielen wie Unterschiede zwischen den genannten Autoren und weiteren, die sich auf diese beziehen, sich mit ihnen schmücken, sie variieren, wiederholen oder in einen Jargon verwandeln. Je weniger zitiert wird, desto apodiktischer - und oft auch: apokalyptischer - wird die Kritik formuliert.
(Schumacher, Die Ironie der Unverständlichkeit, 2000 [Leseempfehlung!])
Auf diesen wichtigen Punt hat auch Hans Magnus Enzensberger schon in Bezug auf den Vorwurf hingewiesen, dass das moderne Gedicht grundsätzlich "unverständlich" sei:
An ihm ist bemerkenswert, daß er nicht spezifisch, im Hinblick auf einen oder anderen Text, sondern stets pauschal erhoben wird. Das legt den Verdacht nahe, daß er nicht in wirklichen Leseerfahrungen, sondern im Ressentiment gründet.
(Enzensberger, Museum der modernen Poesie, 1960)   

Kommentare:

  1. Man gestatte mir hier, bitte einen Antwortversuch, der keineswegs Kritik sein soll, sondern er soll (wenn es gelingt) das im BLOG-Text Gesagte stützen. Ich bin aber zu faul oder auch im Moment zu müde, um viel nachzuschlagen, und zitieren will ich auch nicht.

    In einem gerade ausgeliehenen Buch über Georg Spencer Brown (2. Auflage; und ich hatte übersehen, dass ich die 1. Auflage im Regal hatte) hatte ich frech - was ich selten tue - gleich hinten die verschiedenen Resümées aufgeschlagen, die sich darauf bezogen, was die Laws of Form bewirkt hatten in den verschiedenen Disziplinen, die sich darauf bezogen. Hier fand ich folgende Stelle (aus dem Gedächtnis):

    Wer eine bestimmte Unterscheidung wählt, (zum Beispiel Macht/Gewalt oder Sex/Gender), der vergesse dann aber auch nicht, zu unterscheiden zwischen (1) wie ist diese Unterscheidung historisch entstanden und (2) was hat diese gesetzte, eingeführte (bewährt oder nicht) Unterscheidung bewirkt (sachlich, sozial, zeitlich) durch die Anwendung dieser Entscheidung, durch ihre Tradierung, durch Wiederholung, durch gesellschaftlich Akzeptanz oder durch kritischen Diskurs?

    Es zeigt sich nämlich in konkreten Fällen schnell, das einmal getroffene Unterscheidungen (die ja immer eine eigenes Universum eröffnen) alsbald ein Eigenleben entwickeln:

    (1) Wer Macht und Gewalt sagt, der hat schnell vergessen, was Derrida oder Foucauld damit gemeint haben mag oder was der jeweilige Autor damit historisch oder sozial in seinem von ihm angestossenen Diskurs damit tatsächlich erreichen wollte.

    (2) Das kann dazu führen, (wie die unreflektierte Benutzung eines Vorurteils), das mit gewissen unterscheidenden Begriffen plötzlich gerade das Gegenteil von dem diskutiert wird, was die ursprünglichen Unterscheider damit gemeint hatten.

    In den von mir gelesenen Beispielen ergab sich dann (hier nur ein Fall ganz sporadisch und bewusst generalisierend): Was Simone de Beauvoire argumentierte wurde von der diesen Turn aufnehmenden Butler mit ihrer Unterscheidung von Sex/Gender geradezu auf den Kopf gestellt. Und mit Foucaulds Machtthesen soll das in der auf ihn gestützten Literatur ähnlich gegangen sein. Da werden Argumente in Debatten geführt, die nichts mehr mit dem zu tun haben, um deretwillen diese Argumente einmal als analytische Unterscheidungen eingeführt worden waren.

    Hat sich eine Unterscheidung durchgesetzt (z.B. Bewusstes/Unbewusstes) dann entwickelt sich diese neue Unerscheidungs-Universum bis hin zum Unsinn anrichtenden re-entry nach nicht mehr steuerbaren eigenen Gesetzen. So etwa war der von gefundene/gelesene Gedanke. Und dies bestätigt das oben im BLOG Gesagte.

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    1. Unterscheidungen werden wie Moden kopiert. Dazu auch Husserl in der Krisis. Vergessen der eigentlichen Begründungsleistung führt zum Freischweben vermeintlicher Erkenntnisse, die hängen dann einfach in der Luft. Was auch sehr auffällig ist: Die Behauptung, dass sich etwas "schnell als Unsinn entpuppe", wo hat man denn sowas schon mal gesehen: Philosophen, die von ihrer Forschung sicher sagen würden, dass sie zu kompliziert ist, um sich mal schnell als dies oder das zu entpuppen, und die wollen dann nach zwei Seiten Lektüre feststellen, dass etwas "banal" ist, weil "ihnen" das so erscheint?

      Das Nichts nichtet.
      Die Nacht ist nacht.
      Oh Mensch! Gieb Acht!
      Was spricht die tiefe Mitternacht?
      Ich schlief, ich schlief –,
      Aus tiefem Traum bin ich erwacht: –
      Die Welt ist tief,
      Und tiefer als der Tag gedacht.
      Tief ist ihr Weh –,
      Weh spricht: Vergeh!
      Doch alle Lust will Ewigkeit
      Und macht sich schon seit Tagen breit.

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    2. Habe ich das tatsächlich HIER geschrieben? Der Text ist ja korrekt, der stammt von mir, ich aber erinnere, dies bei "Differentia" geschrieben zu haben? Nein? Dann:

      Ich WERDE nicht alt, ich BIN alt ! Blicke oft nicht mehr durch !

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  2. Was Luhmann eigentlich wollte, habe ich zuletzt en passant zutage gefördert: er wollte sie, die Unterscheidungen, alle! (Leibnizhaft, gleichsam. Was, der ist im Gefängnis?)

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  3. Handelt es sich bei dem angeführten Beispiel schon um ein Ressentiment oder nicht doch nur um ein Klischee, allenfalls ein Vorurteil? Nach M. Scheler (Das Ressentiment im Aufbau der Moralen) müssen für die Entstehung eines Ressentiments Bedingungen vorliegen unter denen es unmöglich ist auf eine empfundene Erniedrigung direkt zu reagieren. Das kann ich im Falle der franz. Poststrukturalisten nicht erkennen. Kritik kann offen geäußert werden.

    Letzter Parade-Fall für ein Ressentiment war das Grass-Gedicht. Grass geht ja davon aus, daß er eine Meinung äußert, die bisher unterdrückt wurde. Genau daran kann man, wenn man Scheler folgt, das Ressentiment erkennen.

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    1. Das Ressentiment5. Juni 2012 um 21:37

      Ob man Scheler folgen will ist eine Frage. Ich jedenfalls halte eine Bestimmung des Ressentiments, die dessen "Entstehungskontext" (Hans Reichenbach) in seine Definition mitaufnimmt, für eher unglücklich (Ressentiment mag auf verschiedene Weisen entstehen). Man sollte vor allem die Entstehensbedingungen nicht mit der Sache selbst verwechseln: das Ressentiment besteht weder in noch aus seiner Entstehung. Aber es hat eine spezifische Form.

      Aber, um auf den Einwand einzugehen: Das Ressentiment entstammt einer grundsätzlichen und tiefreichenden Kränkung und äußert sich in der Negation eines Anderen, den man als "den Bösen", "den Falschen", "den Unsinnigen" concipirt, gegenüber dem man sich selbst als "den Richtigen", "Ernsten" usw. fühlen kann. Zumindest, wenn man Nietzsche folgt:

      "Der Sklavenaufstand in der Moral beginnt damit, dass das Ressentiment selbst schöpferisch wird und Werthe gebiert: das Ressentiment solcher Wesen, denen die eigentliche Reaktion, die der That versagt ist, die sich nur durch eine imaginäre Rache schadlos halten. Während alle vornehme Moral aus einem triumphirenden Ja-sagen zu sich selber herauswächst, sagt die Sklaven-Moral von vornherein Nein zu einem „Ausserhalb“, zu einem „Anders“, zu einem „Nicht-selbst“."

      "Dagegen stelle man sich „den Feind“ vor, wie ihn der Mensch des Ressentiment concipirt — und hier gerade ist seine That, seine Schöpfung: er hat „den bösen Feind“ concipirt, „den Bösen“, und zwar als Grundbegriff, von dem aus er sich als Nachbild und Gegenstück nun auch noch einen „Guten“ ausdenkt — sich selbst!"

      (Nietzsche, Zur Genealogie der Moral)

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    2. ...kann geäußert werden, natürlich. Aber wird sie vom Kritisierten auch gehört? Hält sie ihn vom Sprechen ab?

      Derrida spricht und spricht da oben immer weiter. Wer sich darüber ärgert, kann nichts dagegen tun: Selbstherrlich palavert der Kulturfranzose (und wird zu allem Übel auch immer noch gelesen!).

      "Was sich in Vorstufen des eigentlichen Ressentiments etwa als masochistische „Rachsucht“ äußert, [...] zeigt sich charakteristischerweise in der von Scheler so genannten typischen „Ressentimentkritik“ (Genitivus subjektivus): Deren negativistische Grundhaltung zielt nicht auf Verbesserung des Kritisierten, sondern findet ihre Befriedigung im „Hochgefühl der grundsätzlichen Opposition“." (Wiki: Ressentiment)

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  4. Das Scheler-Zitat zeigt deutlich -was man nicht vergessen darf -, wie eng sich die Kritik der Ressentiment-Kritik genealogisch an eine Chiffre des Juden stets geknüpft hat. Schon Nietzsches Schrift über die Genealogie der Moral verquickt beide: Den Juden und die Rachsucht, das Ressentiment.

    "Die Juden umgekehrt waren jenes priesterliche Volk des Ressentiment par excellence"
    http://www.nietzschesource.org/texts/eKGWB/GM

    Mit einer Analyse des Ressentimentalen steht man deshalb immer vor dem Problem: Wie KEIN Ressentiment gegen Ressentiments entwickeln?

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    1. Allerdings! Das ist die Aufgabe. Dazu gilt es, eine kühle, unerregte und unprovozierte Analyse zu wagen, die darzustellen versucht, welche Formen alltäglichen Ressentiments sich etabliert haben und unreflektiert (weil veralltäglicht) als affektgrundierte "Vorurteile" proliferiert werden (der Text bezieht daher im Streit um die Philosophie-Schulen selbst keine Stellung; entsprechendes findet sich natürlich - und das eben ist das Problem! - auf jeder der Seiten). Hierfür Aufmerksamkeit zu schulen und selbst dabei nicht in die Falle des Ressentiments zu geraten ist schwierig, aber möglich. (Aus diesem Grund ist der Begriff "Ressentiment" im Text funktionalistisch gebraucht)

      Dass man sich mit der Verwendung des Begriffs "Ressentiment" allein schon verdächtig machen würde, kann ich nicht sehen. Wenn ich es auch für äußert wichtig halte, seine Genealogie (auch in ihrer gefährlichen Ambivalenz) zu kennen und zu erinnern.

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  5. "Hierfür Aufmerksamkeit zu schulen und selbst dabei nicht in die Falle des Ressentiments zu geraten ist schwierig, aber möglich."

    Das suggeriert, man könne durch Aufmerksamkeit, Gründlichkeit und Fleiß das gute Gewissen erarbeiten, "fein raus" zu sein, vom Gegenstand der Analyse unkontaminiert.
    Mir erscheint allerdings das "affektgrundierte Vorurteil" ebenso wie das Ressentiment, im altbackenen Sinne, die Grundstruktur des Verstehens, des Verstandes, der Vernunft auszumachen und einen geschlossenen hermeneutischen Zirkel zu bilden (der sich im selben Zuge schließt, indem er nach Selbstüberwindung trachtend sich öffnet) aus dem man nicht herausfinden kann. Es sei denn, indem man auf rechte Weise in ihn hinein gerät und ihn bewusst vollzieht. Seiner Verstrickung, seines immer schon "in die Falle gegangen seins" dabei eingedenk. Und so.

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    1. "Es sei denn, indem man auf rechte Weise in ihn hinein gerät und ihn bewusst vollzieht. Seiner Verstrickung, seines immer schon "in die Falle gegangen seins" dabei eingedenk. Und so." - Der unumgängliche Tanz der blinden Flecken, das ist schon klar.

      Mehr ist ja auch nicht gesagt. Die notwendige Zirkularität des Verstehens ist hinreichend bekannt und gefährlich nah dran, als leere Argumenthülse allzu oft verschossen zu werden. "Werturteilsfreiheit ist praktisch unmöglich." (Luhmann) *Peng*

      Ich empfehle dazu die Lektüre des "Kybernetischen Manifests" sowie der "Systemskizze" um weitere sophistische Naivitätsdetektierereien zu verhindern.

      "Die radikale Ironie identifiziert keine Identifikation, von der sie sich noch abgrenzen könnte. Sie ist sich ihrer systemischen Mitverschworenheit immer schon bewusst, sofern sie überhaupt Unterschiede macht und Abschlüsse vortäuscht, wo sie nur Anschlüsse kennt."

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  6. "Die radikale Ironie identifiziert keine Identifikation, von der sie sich noch abgrenzen könnte."

    Dann KANN "das Ressentimentale" nur radikal ironisch gemeint sein und für die Installation von Frühwarnsystemen gäbe es eigentlich keinen Anlass. Bzw. würden die ohne identifizierbares Objekt ohnehin nicht funktionieren.

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    1. "Die radikale Ironie identifiziert keine Identifikation, von der sie sich noch abgrenzen könnte."

      Ach, würden doch alle Sätze, die geschrieben werden, in Rücksichtnahme auf die Relativsatzstrukturen der Sätze geschrieben, auf die sie sich beziehen..^^

      Die Frühwarnalarmsirene schrillt ganz sonderbar:

      "Ab ins Bettmobil mit Dir, Du Schelm!"

      "Ihr Unterscheiden ist die Performance der RI. Nachdem sie eingreift, nimmt sie sich auch wieder zurück: Ihre Selbstenthauptung, Decaputation."

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  7. Wäre damit dann alles gesagt? Was will uns der Autor aber suggerieren? Dass die "RI" zu "nichtabgrenzenden Identifikationen" führt und diese nützt? So etwas wie Einheit mit dem Objekt etwa als Rettung vor dem Ressentiment?

    Damit wäre man ja in der Tat "fein raus". Tricksereien, so was: Einheit von (auch ironischem) Subjekt und Objekt seiner Beobachtung kann man nicht von vorneherein unterstellen, sondern höchstens als vermittelte erlangen (Stichwort: Dialektik), oder man muss sich was einfallen lassen, aber einfach so dahinbehaupten, als sei von jetzt ab eh schon immer alles klar, das geht ja wohl nicht.

    Man wird die Identität als Problem nicht einfach los, auch nicht, wenn man sich provisorisch schon vorwegidentifiziert hat:

    Kosmos, Ganzheit, Peace, Love und Bescheidenheit?

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  8. "Welche funktionale Rolle sollte Kritik in einem [...] postagonalen (weil ohnehin überfüllten) Aufmerksamkeitsregime eigentlich noch erfüllen? Natürlich, Benutzer wollen sich nach für unermunternde Zeitvergeudung verschenkten Minuten gelegentlich Luft machen und nutzen dazu etwas, was sie selbst wohl als "Kritik" beschreiben würden. Aber das sind dann meist persönliche Annotationen, denen im Normalfall noch weniger Aufmerksamkeit zuteil wird als dem annotierten Pimärcontent, und die -- wo sie nicht auf Verständigung hoffen -- unbeantwortet für sich stehen bleiben. Auf Richtigstellung abzielende Kritik kann nur da erfolgreich operieren, wo Bereitschaft zur Verständigung und eine geteilte Gesprächsgrundlage vorausgesetzt werden können."

    (m(en)o(i)T(ios), Kritisieren heißt Filtrieren, 14.04.12)

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  9. "Natürlich, Benutzer wollen sich nach für unermunternde Zeitvergeudung verschenkten Minuten gelegentlich Luft machen und nutzen dazu etwas, was sie selbst wohl als "Kritik" beschreiben würden. Aber das sind dann meist persönliche Annotationen, denen im Normalfall noch weniger Aufmerksamkeit zuteil wird als dem annotierten Pimärcontent, und die -- wo sie nicht auf Verständigung hoffen -- unbeantwortet für sich stehen bleiben."

    Stimmt. Aber was sollte man daran kritisieren? Was könnte daran als so verächtlich gebranntmarkt werden, dass zwingend Unterlassungsforderung ausgesprochen werden muss?

    "Auf Richtigstellung abzielende Kritik kann nur da erfolgreich operieren, wo Bereitschaft zur Verständigung und eine geteilte Gesprächsgrundlage vorausgesetzt werden können."

    Gegen Habermas (und seinen Gadamer) müssen wir vielleicht doch immer wieder hervorheben, dass eine "gemeinsame Grundlage", biologisch-ethnisch-genetisch, kulturell, geschlechtlich, gesinnungsmässig, niemals vorausgesetzt werden kann und vielleicht nicht einmal sollte.

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  10. Was "könnte als so verächtlich gebranntmarkt werden"? Was wird es denn? Wer möchte "zwingend Unterlassungsforderung" aussprechen?

    Woher nimmt er seine normativen Maßstäbe?

    "Wer tut das? Wer sagt das?"

    Wer sagt das? Kommt es darauf an, wer das sagt?

    [Anonym]

    Wer entscheidet, ob etwas "niemals vorausgesetzt werden kann und vielleicht nicht einmal sollte"?

    Wer will, dass etwas vorausgesetzt werden sollte?

    "Gemeinsame Gesprächsgrundlage" = "Für die Dauer des Spiels wechselseitig angenommene (nicht irgendwie vertraglich, sondern performativ (jeder nächste Zug bestätigt die Konformität des vorhergehenden)) Regeln"

    "Performanzgrammatik schlägt Transzendentalpragmatik"

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  11. "Gemeinsame Gesprächsgrundlage" = "Für die Dauer des Spiels wechselseitig angenommene (nicht irgendwie vertraglich, sondern performativ (jeder nächste Zug bestätigt die Konformität des vorhergehenden)) Regeln"

    Kritik bestätigt die (wenn auch wider Willen) Konformität des Kritisierten und wird ihrerseits vom bezugnehmenden Kritik-Kritiker qua Anschluss für legitim befunden (wenn auch wider Willen). Alles in Butter.


    "Performanzgrammatik schlägt Transzendentalpragmatik"

    Postagonales Schlagen? Oder schlagende Postagonalität?

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  12. Habe ich das wirklich HIER geschrieben? Der Text ist korrekt von mir, aber ich vermeine, ihn bei "Differentia" geschrieben zu haben? Ist das falsch? Ich WERDE nicht alt, ich BIN alt.

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