Samstag, 7. Januar 2012

Üpsielohns moderne Lyrik-Kiste VI: Endprodukte



[Würfelkopf im Delibirium -- klicken vergrößern]
Merlin Krpan, der bisher nur vereinzelt öffentlich in Erscheinung getretene "Kauz aus dem Karst", legt heute ein kritisch-meditatives Kurzgedicht zum physischen [hier im Sinne des "aufgehenden Waltens" (Heidegger)] und proto-physisch mineralischen Ursprung der von uns Menschen ge- und verbrauchten "Endprodukte" vor. Die Parallelisierung von Ursprüngen und Endverbrauchern lässt sich dabei als ein -- sicherlich mahnender -- Hinweis auf die menschliche Verwiesenheit auf natürliche und vornatürliche Entstehensprozesse lesen, ohne die (menschliches) Leben in der uns bekannten "Form" nicht möglich wäre. "Der neue Mensch will das Automobil und genießt es, aber er glaubt, es wächst von selbst an einem Paradiesesbaum." (Ortega y Gasset, Aufstand der Massen) Selbstreflexiv (poetologisch) wird das Gedicht dabei gerade durch die Ausklammerung der Frage nach "Form" und "Formung" dieses (immer vorausgesetzten) "Materials", sofern es dem Leser zugleich als eminent geformtes "Endprodukt" gegenübertritt. 

Endprodukte.

Erlesene Zutaten -
die sind auch einmal
in einem Garten gewesen.

Seltene Erden -
die können auch
wiederverwertet werden.

[Merlin Krpan]

Kommentare:

  1. Krpan ist wirklich ein vorzüglicher Dichter. Seine Verse sind so präzise wie selten.

    Ich hatte schon die Gelegenheit, ihn persönlich kennenzulernen. Kluger Typ, wie erwartet. Wirkt bisweilen etwas wirr.

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  2. ..ein Dichter auf ruhiger sicherer Fahrt durch blaue Stunden.

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