Montag, 30. Januar 2012

Üpsielohns moderne Lyrik-Kiste VIII: Retrogott @ Denken Schenken


Moderne Lyrik aus dem Rap-Feinkostladen:



Retrogott über seinen pädagogischen Elan: "Ich durchbreche durch schlechte geschmacklose Worte starre Horizonte, die ich in Köpfen verorte." (Der Zug endet hier)

Denken Schenken
„This is going out to..“

..Kain und Abel / Ihr wart wohl beide Idioten / aber Nachdenken ist in diesen Zeiten verboten / Deshalb bleibt Brudermord / die einzige Option / Konkurrenz ausschalten für den väterlichen Thron / Ich verbanne die Welt ins Battlerap-Mikrofon / Güterzüge erinnern mich an Deportation / Aber Genozide sind in Rapmusik meistens nur die Grundlage einer krassen Metapher / Du bist played out wie eine Waffenmetapher / Deutscher Rap ist eine riesengroße Affenmetapher / Wir arbeiten täglich an ei´m modernen Nationalbewusstsein / Unsere erste Maxime: / „Irgendwann muss auch mal Schluss sein!“ / Der Zustand der Zugabteile ist für mich eine Offenbarung / über deutsche Demokratiebewahrung / Alle reden modernerweise über "Deutsche" und "Kanacken" / Dicke Luft geht über Beatmungsschläuche in den Rachen / Verkauf deine Drogen / Verkauf deine Seele / Verkauf deine Musik / Verkauf deinen Körper / Verkauf deine Freundin / Verkauf deine Eltern / Verkauf nicht nur dich sondern auch andere Menschen / Das typische Opfer erfordert kein Mitleid / mach es kaputt bis es sein wahres Gesicht zeigt / Auge um Auge und / Zahn um Zahn / Ich bin weder Optiker noch Zahnarzt / und am Ende / ist doch kein Gesicht da / Ich wander´ durch die Dunkelheit / ein ganzes Lichtjahr / Für dich ist meine Weltanschauung zu abstrakt: / „Du Hurensohn, du...du Hurensohn..“

Ich dachte Hip Hop sei anders, ihr habt mich´n bisschen enttäuscht / Ich dachte Hip Hop sei anders, ihr habt mich´n bisschen enttäuscht / „Ich dachte Hip Hop sei anders, ihr habt mich´n bisschen enttäuscht“ (Torch)

..ich dachte. Aber egal, ich mach mir mein´ eigenen / Hip Hop / Ich muss keine Zeit gewinn´ / Unsere Gesellschaft beruht auf Gewinn [winn] / also auf dem Verlust der Anderen [rinn] / Im Kampf gegen dich selbst musst du dich selbst besiegen / also verlier´n (Platon) / Ich fühle mich zu nichts berufen sondern beschwiegen / also muss ich reden / um dagegen anzugehen / Ich seh´ wie der Hass der Ig/noranz die Hand reicht (Stieber Twins) / wie man schwar/ze Musik mit weißer Farbe anstreicht / Ich schreibe mein Buch / ohne Buchhalter / kreativ wie Foltermethoden im Mittelalter / Ich töte die Wackness / „Mic Check: Eins, Zwei“ / bin strenger als die iranische Sittenpolizei / Verabscheue die Werte der westlichen Welt / um bekämpfe sie mit wertvollem westlichen Geld / Das ist widersprüchlich? / Soll es auch sein / Du legst dich hin, denn du stellst dir ein Bein / Wack-MCs mögen jetzt meine Raps und Beats / aber ihr bleibt immer noch Wack-MCs

"Ich dachte Hip Hop sei anders, ihr habt mich´n bisschen enttäuscht." (4x)

..aber auch nur ein bisschen.

Kommentare:

  1. Ey, Kain und Aber/
    die Brothers ohne Laber/
    sie rappen nach der Gegend/
    wos niemalz @zend regent/
    sie kaufen keine Prachthumpen/
    das hieße ja: die Macht pumpen/
    sie gehen locker auf den Boulevard/
    und sagen: Ah! Bee; Zeh.
    Again.

    Groovy Kermit & the Holymoly Carrot Cake Smashers

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  2. Für dich ist meine Weltanschauung zu abstrakt: / „Du Hurensohn, du...du Hurensohn..“

    Bist Du sicher, dass da Anführungsstriche hingehören? Wäre doch besser wenn nicht.

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