Sonntag, 26. Februar 2012

Strategien der Selbstverknotung - Nach Luhmann über Theorie theoretisieren


(Der Urknoten in der Theorie)
Über "Selbstverknotung" (die Thematisierung und Infragestellung der Grundlagen der eigenen Theorie in dieser Theorie selbst) reflektiert ein metaphernsicherer Jean Clam: 
Eine Theorie, die, wie Luhmann sagt, in sich selbst vorkommen kann und muss, bildet notwendig einen Letztknoten, der aus dem Kreis all der in jedem neumaligen Selbstvorkommnis entstehenden Nodositäten besteht ["Durch die Saugtätigkeit der Wurzelläuse krümmen sich die Enden der Faserwurzeln fast rechtwinklig ab und schwellen an (Nodosität)."]. Philosophie ist eine Art des Denkens, das eine solche Knotung im Grunde sucht und veranstaltet. Sie sammelt sich um diesen Grund und erhält daher eine involutive Gangart (Methodik), die ein theoretisches Ausufern in die Breite überflüssig macht. [...]  

Luhmann ignoriert die in der philosophischen Tradition ausgebildeten spezifischen Verfahren des Rückgangs auf die Letztknotungen der Bedingungen der Möglichkeit von Welt und Weltwahrnehmung sowie der auf sie gerichteten Besinnung selbst (d.h. der hierhin sich vollziehenden Philosophie selbst). Er ersetzt sie durch eigenentwickelte, der Protologik von Spencer Brown entliehene, ihre Selbstvorausgesetztheit ganz anders reflektierende Motive und Grundsätze, ohne eigens die Untauglichkeit der philosophischen Gegenstücke zu besprechen. Denn die Prämisse ist hier wiederum die angesetzte Idee von Theorie als Theorie-Konstruktion.
(Jean Clam, Was heißt, sich an Differenz statt an Identität orientieren? [Leseempfehlung])

Kommentare:

  1. "Vom Emergenzmoment her wird die Beobachtungsweise in ihrem Sinn und ihrem Impetus spezifisch belebt. Der Emergenzsinn ist immer der eines Erstvollzugs in seiner Neuheit und Erschließungskraft. Selbst da, wo der Emergenzsinn so etwas wie eine Vergilbung am Emergenten aufkommen lässt und sie apperzeptiv mit dem Emergenten zu gewahren gibt, ist diese Apperzeption selbst das Lebendige am Emergenzsinn entsprechend seinem Erstvollzugscharakter. Bei gehöriger Wiedereinführung der Emergenz wird dieser (Vergilbungs-)Sinn in das Denkschema eingeführt." (Jean Clam)

    AntwortenLöschen
  2. "Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif."

    AntwortenLöschen
  3. Strategien der Selbstverunsicherung (black/white:hart/weich):

    Auch verknotet ist Jacques Palminger ("wegen Befangenheit geschlossen"):
    Seine Lösung zur Öffnung der Elfenbeinkiste: "Ey, ich lös mich einfach auf. Deswegen werd ich mich verhärten, pass auf, ich werde mich verhärten. Dann werd ich mich selbst von der Platte putzen, ja, abwischen, auflösen, weg bin ich, Ende der Fahnenstangen, ja?" (Selbstoptionen gen Null fahrn als Demutsbezeugung, Radical Deconstruction und graduelle Härteunterschiede)

    AntwortenLöschen
  4. Vor Monaten schon einmal dem Palminger auf dem Internetvideokanal; BBC wars nicht (von wegen Selbstverunsicherung). Selbstverhärtung da natürlich gefährlich:

    "Tatsächlich muss man so viel elitären Sinn aufbringen können. Er nährt sich aus Widerwillen gegen das Leichengift der Normalität in einem Land der harten Köpfe und der Panzerseelen. Gewisse Gegner darf man nicht überzeugen wollen." (Kritik der zynischen Vernunft)

    AntwortenLöschen