Donnerstag, 26. Juli 2012

Cyclotron - Es gibt keine bösen Märchen mehr (1982)


[Re-Entry 11.12.11]

Kommentare:

  1. Ist das so? Ich meine, muss das so? Dass es keine bösen Märchen mehr gibt?

    Ich würde ja glauben: "The Dark Knight" ist ein böses Märchen. Sollten dann nur mehr kleine Kinder auch sehen dürfen, damit die nicht alle erst viel zu spät mit Ernst, Dunkelheiten und Schmerz konfrontiert sind.

    Die zeitgenössische Weichspülpädagogik ist ein Graus und wird sich einiges Tages noch an den nächsten Generationen rächen. Realitätsverlust.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielleicht ist es insgesamt doch gut, dass es keine klassisch "bösen Märchen" mehr gibt. Zur Erinnerung:

      Schneewittchen (Quelle: Grimms Märchen, Band 2, Verlag J.F. Schreiber, Esslingen, Österreichischer Bundesverlag Wien, 1990)


      1. Böse Königin:
      „Bring das Kind hinaus in den Wald, ich will’s nicht mehr vor meinen Augen sehen. Du sollst es töten und mir Lunge und Leber zum Wahrzeichen mitbringen.“ (S.57)

      2. Jäger:
      „Die wilden Tiere werden dich bald gefressen haben, dachte er, (...). Und als gerade ein junger Frischling dahergesprungen kam, stach er ihn ab, nahm Lunge und Leber heraus und brachte sie als Wahrzeichen der Königin mit. Der
      Koch musste sie in Salz kochen, und das boshafte Weib aß sie auf und meinte, sie hätte Schneewitchens Lunge und Leber gegessen.“ (S.58)

      3. Der verhexte Schnürriemen:
      „Schneewittchen hatte kein Arg, stellte sich vor sie und ließ sich mit dem neuen Schnürriemen schnüren: aber die Alte schnürte geschwind und schnürte so fest, dass dem Schneewittchen der Atem verging und es für tot hinfiel. ’Nun bist du die Schönste gewesen’, sprach sie und eilte hinaus.“
      (S.62-63)

      4. Böse Stiefmutter:
      „ ’Nun aber’, sprach sie, ’will ich etwas aussinnen, das dich zugrunde richten soll’, und mit Hexenkünsten, die sie verstand, machte sie einen giftigen Kamm. “
      (S.63-64)

      5. Der giftige Kamm:
      „Das arme Schneewittchen dachte an nichts und ließ die Alte gewähren, aber kaum hatte sie den Kamm in die Haare gesteckt, als das Gift darin wirkte und das Mädchen ohne Besinnung niederfiel. ’Du Ausbund von Schönheit’, sprach
      das boshafte Weib, ’jetzt ist’s um dich geschehen’, und ging fort.“ (S.64)

      6. Erzürnte Stiefmutter:
      „’Sneewitchen soll sterben’, rief sie, ’und wenn es mein eignes Leben kostet.’“ (S.64)

      7. Der giftige Apfel:
      „Kaum aber hatte es einen Bissen davon im Mund, so fiel es tot zur Erde nieder. Da betrachtete es die Königin mit grausigen Blicken und lachte laut und sprach: ’Weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz, diesmal können dich die Zwerge nicht wieder erwecken.’“(S.65-66)

      8. Das Ende der bösen Stiefmutter:
      „Aber es waren schon eiserne Pantoffeln über Kohlenfeuer hingestellt und wurden mit Zangen hereingetragen und vor sie hingestellt. Da mußte sie in die rot glühenden Schuhe treten und so lange tanzen, bis sie tot zur Erde fiel.“
      (S.70)


      Rotkäppchen (Quelle: Grimms Märchen, Band 2, Verlag J.F. Schreiber, Esslingen, Österreichischer Bundesverlag Wien, 1990)


      1. Wolf:
      „ (...) und er ging, ohne ein Wort zu sprechen, gerade zum Bett der Großmutter und verschluckte sie. “ (S.11)

      2. Rotkäppchen zum Wolf:
      „’Ei, Großmutter, was hast du für große Hände!’ – ’Daß ich dich besser packen kann.’ – ’Aber, Großmutter, was hast du für ein entsetzlich großes Maul!’ . ’Daß ich dich besser fressen kann.’ - Kaum hatte der Wolf das gesagt, so tat er einen Satz aus dem Bette und verschlang das arme Rotkäppchen.“ (S.13)

      3. Jäger:
      „Nun wollte er seine Büchse anlegen, da fiel ihm ein, der Wolf könnte die Großmutter gefressen haben, und sie wäre noch zu retten, schoß nicht, sondern nahm eine Schere und fing an, dem schlafenden Wolf den Bauch aufzuschneiden.“ (S.13-14)

      4. Das Ende des Wolfs
      „Rotkäppchen aber holte geschwind große Steine, damit füllten sie dem Wolf den Leib, und wie er aufwachte, wollte er fortspringen, aber die Steine waren so schwer, daß er gleich niedersank und sich tot fiel. Da waren alle drei
      vergnügt!“ (S.14)

      Löschen
    2. Ja, das ist grausam, eine beeindruckende Sammlung.

      Was ich mich aber frage ist, ob das Verschweigen der Grausamkeit nicht eine Vorbereitung der Form von Verdrängung ist, die wir rund um uns überall wahrnehmen können. Das Nicht-Sehen der Grausamkeit, die durch unser luxuriöses Leben erwirkt wird und die als dessen Ermöglichung ihm auch schon vorausliegt. Es gibt hier keine Unschuld.

      Wäre es da nicht gesünder für alle, man macht wieder darauf aufmerksam, schon die Kinder, statt lauter letzte leichte Leute großzuziehen, die nur das Gefühl haben, alles ist immer heiter bis prima hier?

      Löschen
  2. Ach mist, doch nicht alles prima???

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Doch, doch, alles halb so wild. Ich kanns sogar beweisen.

      Löschen
    2. Lies Du Kann-ditt mal!

      Löschen