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Mittwoch, 31. Oktober 2012

Luhmann mit "!" : "Dies ist kein Poem!"


Emphatische Luhmann-Sätze und -Interjektionen auf "!", mehrheitlich aus "Die Gesellschaft der Gesellschaft", neu arrangiert.
"Über allen Wipfeln der autopoietische Dämon"
(Luhmann: ©teutopress, Stadt OE: CC BY-SA 3.0)
"Es ist zum Mitlaufen!"
"Man sieht sich auf schönen Schein, auf Mit-der-Mode-Gehen angewiesen, aber das kann es doch nicht sein!"
"keine Rede von "posthistoire"! —"
"der Beobachter!"
"als Ereignis!"

"Das Thema von Tristram Shandy!"
"Also ein Paradox!"
"der Beobachter!"
"Man müsse ihn mit der Laterne suchen!"
"und nicht mehr die Moral!"

"So sieht es aus, wenn etwas mißglückt!"
"Denn wo käme man hin, wenn man bestreiten würde, daß man nicht das Recht hat, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden!"
"Es gab also gute Gründe!"
"Philosophie in Verlegenheit!"
"dann endet sie eben nicht!"

"man beachte die Unwahrscheinlichkeit dieser Konstruktion!"
"man beachte diese Extravaganz!"
"Selbst am Hofe!"
"Ohne Anerkennung eines zirkulären Verhältnisses zum Gegenstand!"
"wir argumentieren zirkulär!"
"im alteuropäischen Stil!"
"Und dies noch heute!"
[Re-Entry vom 25.01.12]

Donnerstag, 5. Juli 2012

Renovierte Gedichte: Dichrrief Hördellin - Netlogs


Renovierte Gedichte erfreuen sich selten größter oder selten größter Beliebtheit. Gelegentlich hört man Kritiker der Renovierung von Gedichten sagen, die Schöpfungshöhe der Originale gerönne selten in Persiflage. Renovierte Lyrik ist allerdings weder Persiflage noch Segeln unter falscher Persilflagge


"Patmos im Netz, rechts verlinkt"
(Foto: Rowan/Wiki CC BY-SA 3.0)
Netlogs

Fern ist
Und schwer zu fassen der Bot.
Nebel verweigerte Adressaten
Absender ohne Primat.
Wo dennoch Opa ist, wächst
Aber - das rettende „Auch“.
Furchtlos über elektrische Adern
Die Ströme der Alten unter dem Ungrund ab
Auf leichtgebautesten Bind-Bahnen.
Drum, da gehäuft sind Links,
Die Gipfel der Zeit, und die Liebsten,
Nah wohnen, ermattend auf
Getrenntesten Planen,
Gleichem Gesicht allen Enden der Ströme.
So gib unschuldig Flüsse,
O Flüssige gib uns, treuesten Sinn
Hinüberzugehen.
Nie wieder zu sehen. 

[Dichrrief Hördellin]

Dienstag, 1. Mai 2012

Üpsielohns moderne Lyrikkiste XI: Gedicht das keins ist das keinen Namen trägt


"Poetischer Ausgriff der Lürg"
Ein weiteres Poem fand seinen Weg zu den Editoren (Metaeditor: immer Üpsielohn) und dann weiter durch die strenge Lürg-Redaktion. Mirko Konan (31) schrieb "Gedicht das keins ist das keinen Namen trägt" nach eigenen Angaben "gereizt", nach der Lektüre "einiger heute offenbar ernst genommener Gedichte", "unzufrieden mit der mangelnden Anerkennung deutscher Rapmusik in der gegenwärtigen Lyrikszene". Daher rührt wohl auch seine Präferenz für das "lyrische Du", hier ausgestellt als Wack-MC.


Dein unbrauchbares gedicht. du hörst keine rapmusik. sagst du. deine sprachfehler. dein mangelndes ausdrucksvermögen. deine freizeilen in blau
hast du im park geschrieben. als deine freundin ein bier an deiner hose, deinem ungewohnten, deine merkwürdige stimme
"vorsicht!" -I- eine frisbeescheibe. zu dicht an deinem haar. zwischen hier und da hinten. vermutetest du. deine sensibilität. deine verwackelte perspektive 

Mittwoch, 28. März 2012

Üpsielohns moderne Lyrikkiste X: Sisyphos der Blume Blume


Üpsielohn, die vorletzte Buchstabin, stößt im tiefen Internetznetz, auf ein postpoetisches Poem, einen gespiegelt gestaffelte Gruß an die BlumeBlume, paradigmatisch querverwoben.

Dienstag, 13. März 2012

Üpsielohns moderne Lyrikkiste IX: 45 Minuten Besuch


Ein kurzes Gelegenheitspoem aus Marena Schneiders "14:15 Uhr"-Zyklus ("Der "14:15 Uhr"-Zyklus stellt den Versuch dar, unseren Alltagsbesorgungen ihre lyrische Potenz sprachlich zurückzuschenken. Ganz im Sinne Heraklits: Auch hier weilen Götter lang."):

["Eine Linie stellt eine Silbe dar" // Pirandello]
45 Minuten Besuch

Unlind. Wenige Strähnen
Die Tage öfter
Die Haare offener
Nur ein bisschen
Am Scheitel entlang
Die Spitzen gesünder
Meistens nach links.

Montag, 30. Januar 2012

Üpsielohns moderne Lyrik-Kiste VIII: Retrogott @ Denken Schenken


Moderne Lyrik aus dem Rap-Feinkostladen:



Retrogott über seinen pädagogischen Elan: "Ich durchbreche durch schlechte geschmacklose Worte starre Horizonte, die ich in Köpfen verorte." (Der Zug endet hier)

Denken Schenken
„This is going out to..“

..Kain und Abel / Ihr wart wohl beide Idioten / aber Nachdenken ist in diesen Zeiten verboten / Deshalb bleibt Brudermord / die einzige Option / Konkurrenz ausschalten für den väterlichen Thron / Ich verbanne die Welt ins Battlerap-Mikrofon / Güterzüge erinnern mich an Deportation / Aber Genozide sind in Rapmusik meistens nur die Grundlage einer krassen Metapher / Du bist played out wie eine Waffenmetapher / Deutscher Rap ist eine riesengroße Affenmetapher / Wir arbeiten täglich an ei´m modernen Nationalbewusstsein / Unsere erste Maxime: / „Irgendwann muss auch mal Schluss sein!“ / Der Zustand der Zugabteile ist für mich eine Offenbarung / über deutsche Demokratiebewahrung / Alle reden modernerweise über "Deutsche" und "Kanacken" / Dicke Luft geht über Beatmungsschläuche in den Rachen / Verkauf deine Drogen / Verkauf deine Seele / Verkauf deine Musik / Verkauf deinen Körper / Verkauf deine Freundin / Verkauf deine Eltern / Verkauf nicht nur dich sondern auch andere Menschen / Das typische Opfer erfordert kein Mitleid / mach es kaputt bis es sein wahres Gesicht zeigt / Auge um Auge und / Zahn um Zahn / Ich bin weder Optiker noch Zahnarzt / und am Ende / ist doch kein Gesicht da / Ich wander´ durch die Dunkelheit / ein ganzes Lichtjahr / Für dich ist meine Weltanschauung zu abstrakt: / „Du Hurensohn, du...du Hurensohn..“

Ich dachte Hip Hop sei anders, ihr habt mich´n bisschen enttäuscht / Ich dachte Hip Hop sei anders, ihr habt mich´n bisschen enttäuscht / „Ich dachte Hip Hop sei anders, ihr habt mich´n bisschen enttäuscht“ (Torch)

..ich dachte. Aber egal, ich mach mir mein´ eigenen / Hip Hop / Ich muss keine Zeit gewinn´ / Unsere Gesellschaft beruht auf Gewinn [winn] / also auf dem Verlust der Anderen [rinn] / Im Kampf gegen dich selbst musst du dich selbst besiegen / also verlier´n (Platon) / Ich fühle mich zu nichts berufen sondern beschwiegen / also muss ich reden / um dagegen anzugehen / Ich seh´ wie der Hass der Ig/noranz die Hand reicht (Stieber Twins) / wie man schwar/ze Musik mit weißer Farbe anstreicht / Ich schreibe mein Buch / ohne Buchhalter / kreativ wie Foltermethoden im Mittelalter / Ich töte die Wackness / „Mic Check: Eins, Zwei“ / bin strenger als die iranische Sittenpolizei / Verabscheue die Werte der westlichen Welt / um bekämpfe sie mit wertvollem westlichen Geld / Das ist widersprüchlich? / Soll es auch sein / Du legst dich hin, denn du stellst dir ein Bein / Wack-MCs mögen jetzt meine Raps und Beats / aber ihr bleibt immer noch Wack-MCs

"Ich dachte Hip Hop sei anders, ihr habt mich´n bisschen enttäuscht." (4x)

..aber auch nur ein bisschen.

Dienstag, 24. Januar 2012

Üpsielohns moderne Lyrikkiste VII: Die Eisläuferin


(Phantombild)
Üpsielohn hat im Untergrund eine weitere talentierte Junglyrikerin getroffen, von der bis auf ein Gedicht bisher leider keine Informationen aufzutreiben waren. Aber das Gedicht fügt sich gut in die winterlose Winterzeit.


Die Eisläuferin


Leise rieselt der Schnee
Eisiger See. Die Wege
Tun ihr in den Augen weh


Kinder versuchen zu gehen
Brechen das Schilf
An der Grenze zum See


So gerne würde sie wieder schreiben
Vorwärts, wieder lernen zu gehen


Nicht wissen,
Ob das hilft.
Nur weiter sehen.

[Michaela Krime]

Samstag, 7. Januar 2012

Üpsielohns moderne Lyrik-Kiste VI: Endprodukte



[Würfelkopf im Delibirium -- klicken vergrößern]
Merlin Krpan, der bisher nur vereinzelt öffentlich in Erscheinung getretene "Kauz aus dem Karst", legt heute ein kritisch-meditatives Kurzgedicht zum physischen [hier im Sinne des "aufgehenden Waltens" (Heidegger)] und proto-physisch mineralischen Ursprung der von uns Menschen ge- und verbrauchten "Endprodukte" vor. Die Parallelisierung von Ursprüngen und Endverbrauchern lässt sich dabei als ein -- sicherlich mahnender -- Hinweis auf die menschliche Verwiesenheit auf natürliche und vornatürliche Entstehensprozesse lesen, ohne die (menschliches) Leben in der uns bekannten "Form" nicht möglich wäre. "Der neue Mensch will das Automobil und genießt es, aber er glaubt, es wächst von selbst an einem Paradiesesbaum." (Ortega y Gasset, Aufstand der Massen) Selbstreflexiv (poetologisch) wird das Gedicht dabei gerade durch die Ausklammerung der Frage nach "Form" und "Formung" dieses (immer vorausgesetzten) "Materials", sofern es dem Leser zugleich als eminent geformtes "Endprodukt" gegenübertritt. 

Endprodukte.

Erlesene Zutaten -
die sind auch einmal
in einem Garten gewesen.

Seltene Erden -
die können auch
wiederverwertet werden.

[Merlin Krpan]

Dienstag, 29. November 2011

Üpsielohns moderne Lyrik-Kiste V: Die Vernunft hat keine Zukunft


(Vorweihnachtlicher Meteorit)
Moderne Lyrik taucht mitunter auch an unerwarteter Stelle auf; Üpsielohn versucht es mit Aufmerksamkeit: Nebel am Morgen. Eine kubische Sternschnuppe kurz vor Sonnenuntergang. Zwei unaufgeforderte Sätze plötzlich in einem übermüdeten Kopf. Ein Electronica-Konzert. Du erschrickst. Und dann merkst du, dass das moderne Lyrik ist.

Die Vernunft
hat keine Zukunft.
Die Zukunft
hat nur die Kunst.

Zum Beispiel auf einem Konzert:


Und wissen, wie es funktioniert...

Dienstag, 15. November 2011

Üpsielohns moderne Lyrik-Kiste IV: Der Mersch durch die Modulationen


Dia-le. Mersch durch die Modulationen!
Ups! Hier ist aber etwas durcheinandergeraten... Dito Mösch hat uns verschiedene Zettel mit Worten als Gedicht zugeschickt. "Dia-bolisches Gedicht durch Worte", stand da auf dem Umschlag. Kannst Du troztdem verstehen, was er meint?


Das
Dia-le, Me
Aus der Mitte meines Ambiguiden
Dia-phan. Dia-pan. Dia-plan:
Morgen: Kohlrouladen
Meta-Xy. Meta-Sta.. Neee. Da.
Du Nich Medda.
Da.Zwischen
Die Chiffern verwüschen:
"An ihren Bruchstellen
Geräte auf Schreibtüschen"

Samstag, 8. Oktober 2011

Üpsielohns moderne Lyrik-Kiste II


(Das Kistenlager von Babel)

Üpsielohn ("der vorletzte Buchstabe") ist hocherfreut, ein weiteres modernes Poem aus einer seiner modernen Lyrik-Kisten präsentieren zu können. Diesmal wird´s mit Matze Matiks "[Zwei herbe Linke:]" aus dem Gedichtband Ich zähl Eins und Eins zusamm´ politisch herb.

[Zwei herbe Linke:]

Deine versteinerte Linke
Mein nicht-vergebener Praktikumsplatz
Liberalismus bringt dich um.

Alle sagen:
Mach ein Praktikum.
Du bist dumm.

Montag, 19. September 2011

Üpsielohns moderne Lyrik-Kiste


(Der Raum der Gründe ist leer)
Moderne Lyrik darf nicht untergehen, deshalb pflegt Üpsielohn ("der vorletzte Buchstabe") regelmäßig neue vielversprechende Gedichte vielversprechender moderner Lyriker ins System ein. Heute "Stichwort: Motorradjacke" von Helm Klamm:

Stichwort: Motorradjacke

Lange SamsTage stehen auf einer unkemütlichen Sstirn
Uwe, Martins MegAunfall, schwimmt schon obenauf
[das ungefragte Fettauge auf einer Membran zwischen heute und übermorgen; GroßmUttis Tagessuppe mit einem Riesenlöffel aufgegessen]
Uwe hat (s)einen Lauf
Uwe sabbelt Zoich:
"Zwei soiche noch."
"Du biss mein MegAunfall, Uwe."
Martin bockt.
"Lass dem ma"
Jürgen labert rein.
"Tschüüß, Monika!"
[Helm Klamm]