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Freitag, 24. Dezember 2010

"Zehn und Zwei macht Verve" - Nachgedanken einer philosophischen Monstranz II

[Nach der Lektüre von Alan Sokal´s "Eleganter Unsinn":] 

Die philosophische Monstranz hat heute ein Date mit Martina ["Voll die lieben E-Mails hat die mir geschrieben, übers Kennenlern-Portal, weißte!?" - Keine Peer-Review, leider]. Als sie aber am nächsten Morgen aus süßesten Träumen erwacht, hat sie seit Wochen - und gestern auch nicht - niemanden mehr gesehen. Niemand aufgetaucht trotz anversprochener Braut.

Was ist da passiert? Wie kann sowas in unserer Welt zustande komm´?

Iss doch ganz klar! 

Sokal-Hoes, die haben die Monstranz eiskalt reingelegt, aufs Glatteis geführt und damit - für jeden sichtbar - als "täuschbar" auflaufen lassen. Jetzt lachen alle. "Ist das gerecht?", die philosophische Monstranz fängt sofort an mit ihrem persönlichen Science War: "Das ist doch kein Argument, sone liebe E-Mail, die kann doch jeder schreiben!". Aber zu spät. Die Lawine ist losgetreten. Jeder denkt jetzt: Das kann man ja nicht ernst nehmen, was die da macht. 

Donnerstag, 16. Dezember 2010

"Zehn und Zwei macht Verve" - Nachgedanken einer philosophischen Monstranz

(Quelle: Wiki-Commons: Guter Hirt Monstranz)
Mit Pingeligkeit hat das überhaupt nichts zu tun, wenn die philosophische Monstranz dem ungeduldigen Studenten sachte von hinten die Hand auf die Schulter legt und flüstert: "Schreib´s einfach nochmal." 

Es ist eine grundlagentheoretische Katastrophe, die ihr da unterlaufen ist: Nachdem sie die "Two Dogmas of Empiricism" verschlungen hat, fühlt sie sich merkwürdig lau und auf eine sehr unbequeme Weise empirisch unterbestimmt. Unbeholfen wählt sie zwischen unterschiedlichen, gleichrangigen Theorieangeboten. "Werturteilsfreiheit!?" - die philosophische Monstranz hat keine Lust mehr auf Theorie-Kitsch von vorgestern. Sie öffnet die Türe ihres Wohnraums und macht das Licht an. "Ich suche die Philosophie", steigt es ihr in den Kopf und hinter ihr, aus dem halbgeöffneten Fenster, funkelt feist ein lächelnder Luhmann und stipuliert:  

„Werte fungieren als Regeln der Vorziehungswürdigkeit von Handlungen. Ihre Annahme gibt einem Bereich möglicher Selektion Struktur. Ohne solche Strukturen kann man nicht rational, sondern allenfalls nach dem Prinzip der Indifferenz wählen. […] Die Konstitution von intersubjektiv übetragbarem Sinn setzt Reduktion völlig unbestimmter Komplexität durch Wertsetzung voraus. Ohne Wertprämissen ließe sich Kommunikation und intersubjektiver Austausch von Perspektiven weder lernen noch aktualisieren. Wertfreie Intersubjektivität ist praktisch unmöglich.“

(Luhmann, Die Praxis der Theorie, in: Ders., Soziologische Aufklärung I, 319)

[Weiterführende Erläuterungen zum Motiv der Monstranz, deren Zusammenstellung mit der Systemtheorie und der Frage nach dem empirisch nicht Bestimmbaren, das trotzdem erscheinen soll: Bitte hier weiterlesen! ]