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| (Bundesarchiv, B 145 Bild-P109966 / CC-BY-SA) |
Das alltägliche Prozedere besteht aus einer Reihe stabiler Routinen, festgewachsener Pfade, auf denen sich die eigene Aufmerksamkeit gewöhnlich wie gewohnt bewegt: Denktrampelpfade (was viele nicht bedenken: die längste Zeit hält man sich nicht in Räumen, sondern im schweifend-driftenden Denken auf [wie war das nochmal gestern, was hab ich gesagt, morgen ist november], nur mit einem Fuß in der physischen Gegenüber-Gegenwart gewissermaßen). In Gesprächen und im Verstehen dieselbe Szene: routinierte Gedankenpfade weisen den Weg zu dem, was man selbst als das Bekannte erkennt: ah, hier so ein Argument, so sieht das aus, ist das nicht ein Regress, kann man das umkehren, ist das eine die Bedingung von dem anderen, Beweislastumkehrung, odersoweiter. Alles erlernte, auch Argumentations- und Denkroutinen. Das große Problem: Wer einmal genug Beweglichkeit erworben hat, kann in sich selbst fast jede Denkbewegung, die von außen irgendwie reinkommt, von innen scheinbar simulieren. Wer also einmal beweglich genug geworden ist, sieht überall bekannte Gedanken, weil er die im eigenen Denken scheinbar alle nachzubauen vermag: Die ewige Wiederholung droht.
Dieses Problem besteht auf zwei Ebenen:
1. Die Denkregistratur. Die Denkregistratur umfasst die Nuanciertheit eigenen Erlebens von Denkbewegung. Sie ist eine projektiv-rezeptive Maschine, die als Einfühlung oder Projektion mentaler Modelle die Denkbewegungen Anderer der eigenen durch Simulation näherführt. Schwach ausgebildete Denkregistraturen geben dem Gegenüber im Erleben wenig eigene Denkbewegung, stattdessen wird die Form der eigenen Bewegung auch dem Denken des Anderen unterstellt (projektiv unterschoben). Rezeptivität ist also gering, stattdessen hohe Irritation bei abweichender Entwicklung erwarteter Denkverläufe, ungewohnte Gedankensprünge werden als "verrückt", alternative schnelle Verweisungsspiele (Humor, Witz) schnell als "seltsam" registriert. Ausgeprägte Denkregistraturen dagegen verleihen den Anderen in der Wahrnehmung autonome Denkmodule, Eigenlogik, Eigenbeweglichkeit. Hierhin gehört auch das heute gelegentlich als Entschuldigung kritisierte "Nachvollziehenkönnen" nicht geteilter Denkbewegung. "Ich kann, wie sie denkt, nachvollziehen.", das heißt: ich simuliere (aktiv-passiv) ein Denkmodul, das ihre Denkbewegung scheinbar abbildet.
2. Die Vefänglichkeit der Denkbewegung. Ist das eigene Denkerleben hinlänglich differenziert, scheinen fast alle - Grenzfälle (Wahnsinn, Schizophrenie, Autismen) schwieriger - Formen der Denkbewegung durch die eigene Registratur simuliert. Hier wird es allerdings verfänglich: der Eindruck der Stärke der eigenen Regsitratur kann trügen. Zwar wird dann überall autonome Denkbewegung unterstellt, leicht aber so Eigensinniges Anderswo unregistrierbar wegsimuliert (indem die erprobten Module nur noch rekombiniert und wiederholt werden). Die erstellten Modelle der Denkregistratur sind scheinbar gut genug, alles, was sich im Umkreis des Denkens als Denken zeigt, zu simulieren. Der Eindruck universalen Verstehens schleift sich ein: Für den Besitzer [verstanden als Insasse] einer Registratur möglicherweise der Anfang einer poetischen oder theoretischen Innenausschreitung (im Roman oder einer universalistischen Theorie).
Das diffizilere Problem: Die Unregistrierbarkeit der Unzulänglichkeit der eigenen Registratur (auch bekannt als "Der blinde Fleck"). Im Denken das Modell des Denkens überhaupt wähnend registriert die Registratur überall nur noch: Nichts Neues. Wird registrierungsmüde, schaltet langsam auf Leerlauf (das auch die Erklärung für Formen von High-Level Bewusstlosigkeit, wie sie manchmal unter Spitzenregistraturen registriert werden kann), registriert das Erlebte nur noch beiläufig mit. Die Sicherheit, die auf der Ebene der Modellierung fremder Denkbewegung durch projektionsbestätigendes Feedback erzeugt wird, sorgt dafür, dass das Registrieren selbst nach und nach beiläufiger, beliebiger wird. Die Wahrscheinlichkeit, noch neues überhaupt zu registrieren, sinkt rapide, die Registratur wird absolutiert (vom potentiell korrigierenden Registrieren losgelöst), registriert so mehr und mehr nur noch sich selbst, während zugleich, und hierhin wächst auch ihre Gefahr, andere Registraturen sie weiterhin als hyperregistrativ registrieren: Ein abgeschlossenes System, das beobachtenden Systemen gerade so maximal offen erscheint. [Öffnung und Schließung; Paradoxie]















