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Samstag, 28. April 2012

Kultur(gegen)Revolution - Retrogott(gegen)Meese

"Aber mein place-to-be ist utopisch" (Retrogott)
[Eine kleine Ergänzung zu "Zwischen Reform und Revolution":] Die Kultur(gegen)Revolution fängt nicht irgendwo da vorne an. Als das Andere schlechthin beginnt sie immer nur zu spät, um dann trotzdem noch auf sich warten zu lassen. Als bloß nur erwartbar Unerwartetes, Nichtplanbares, letzter und erster Metahack, Selbstüberlistung eines träumenden Genies, ist sie nur an Gabe und Gunst gebunden, Selbsteröffnung ihrer selbst, ihr eigener Anfang- und Schlussverkauf.  Einfall des Anderen als Anderes. Ereignis.

Zwei Versuche über DAS als K(g)R:

1. Die spektakuläre Variante:
Man muss nur abwarten und dann wird alles sich fügen, wie es sich zu fügen hat, und das ist natürlich immer revolutionär, besonders, wenn wir dieser Revolution nichts in den Weg stellen. Aufzuhalten ist sie eh nicht, es dauert dann halt nur länger und das ist einfach sehr langweilig, weil ja was Grundsätzliches passieren muss. Und das, was grundsätzlich passiert, fußt natürlich auf Begriffen wie Dilettantismus, Kindergeburtstag feiern, albern sein. Wie bei allen Großrevolutionen und Großrevolutionären war es immer so, dass die Leute gespielt haben wie Kinder und auf eine Expedition gegangen sind, wo eigentlich die Rückkehrchancen gleich null waren.
2. Die subkulturelle Variante:


Dergegenrvolutionaer / beim täglichen Selbstverzehr / die Stützbalken der Konstruktion stellen sich quer / Ich handel nicht fair / Die Säulen des Chaos stehen stabil / Immer die selben Geschichten über das Meer / Die Welt ist eine Scheibe: / Hörst du nicht das Rauschen? / Gott ist für die da / die ihn brauchen / und das Geld ist für die da, die etwas mit ihm kaufen / Wer lässt sich mit dem letzten Wassertropfen taufen / der ihn vor dem Austrocknen zu retten vermag? / Fragen mit der kommunikativen Kraft von einem Schlag / stehen im Raum / wie ein Riese auf Stelzen / dass Antworten sie zerschmettern geschieht selten / doch viele Höhenflüge enden in Felsen / und Goldketten verheddern sich in Gebirgsketten / Er wäre frei, wenn sie ihn nicht vor seinem letzten Atemzug erwürgt hätten

Dergegenrevolutionaer / hat keine Kinder, die er essen könnte / Von allen Dingen, über die ich rappen könnte, ist mir ausgerechnet nichts eingefallen / und ich meine nicht das Nichts, sondern nichts. 2x
Dergegen..dergegen..hat keine Kinder..
Die letzte Wahrheit sprechen nur falsche Zungen aus / sie ist keine Hure, aber hält Jahrhunderte lang Vergewaltigungen aus.
(Retrogott)

Donnerstag, 2. Februar 2012

Erlesener Kant an vergorener Meese, expressiv serviert.

Da nun die Originalität des Talents ein (aber nicht das einzige) wesentliche Stück vom Charakter des Genies ausmacht: so glauben seichte Köpfe, daß sie nicht besser zeigen können, sie wären aufblühende Genies, als wenn sie sich vom Schulzwange aller Regeln lossagen, und glauben, man paradiere besser auf einem kollerichten Pferde, als auf einem Schulpferde. [...] Wenn aber jemand sogar in Sachen der sorgfätigsten Vernunftuntersuchung wie ein Genie spricht und entscheidet, so ist es vollends lächerlich; man weiß nicht recht, ob man mehr über den Gaukler, der um sich so viel Dunst verbreitet, wobei man nichts deutlich beurteilen, aber umso mehr sich einbilden kann, oder mehr über das Publikum lachen soll, welches sich treuherzig einbildet, daß sein Unvermögen, das Meisterstück der Einsicht deutlich erkennen und fassen zu können, daher komme, weil ihm neue Wahrheiten in ganzen Massen zugeworfen werden, wogegen ihm das Detail [...] nur Stümperwerk zu sein scheint.
(Kant, Kritik der Urteilskraft, §47)

Ein etwas aktuelleres Meese-Portät findet sich hier.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Lebens-Kunst-Nischen XII: Das Sartoschtentum (Zoroastrismus)


Erfolgreich kultivierte Lebens-Kunst-Nischen stellen, indem sie mögliche Anschlüsse, Wiederanknüpfungen und Variationslinien vorzeichnen, adaptierbare Lebensform-Angebote dar. Formal fallen daher selbstverständlich auch religiöse Lebensentwürfe unter den Begriff der "Lebens-Kunst-Nische".



Ein griffiger Überblick über das Sartoschtentum und die Lehren des historischen Zarathustra findet sich hier. Der prominentesten Versuch einer freien (d.h. nicht-konservativen) Variation findet sich selbstredend bei Nietzsche:



Einen eher unglücklichen Adaptionsversuch präsentiert dagegen Jonathan Meese.

Dienstag, 5. Juli 2011

Heidegger besser schneller gemeesen


Meese verwindet noch immer das Ideal einer allgemeinverbindlichen, objektiven "Kunst" und treibt die Metaphysik der Kunst-Autonomie durch seine schamfernen Übetreibungen auf ihren internen Wärmetod zu. Seine Kritik an zu großer emotionaler Verstrickung in Texte, die Anspruch auf objektive Geltung erheben, verdeutlicht allerdings -- ohne das vielleicht selbst allzu klar zu reflektieren -- die notwendige Selbstwidersprüchlichkeit eines jeden affekt-getragenen Universalismus.

Sonntag, 29. Mai 2011

Besser als Meese. John Bock [Unsere Großen NEUN]

...statt Diktatur Entropie der Kunst: Fernsehen vorm Einschlafen: Bettnachbar schaltet unkontrolliert vor dem dämmerndem Bewusstsein um: Programmstimme dissoziiert:



[Performance-Kunst-Ein-Mal-Eins: "Nicht alles, was verworren ist, ist Helge Schneider"]

Donnerstag, 18. November 2010

Unsere (ganz) Großen III: Bonathan Meese - Eine Meise der Kunst


Da kann man eigentlich schon überhaupt nicht einmal mehr etwas dazu sagen. Meese ist prima. Vielleicht der Höhepunkt einer gemäßigt-modernen Klassik, die versucht hatte den Spiel-Begriff wieder so ein bisschen ernst zu nehmen. Das ist natürlich phantastisch, "grotesk", sagen manche, die doch noch irgendwie nach einer historischen Anknüpfung suchen. Vielleicht. Vielleicht ist der Meese auch ein "Gesamtkunstwerk", das kann natürlich sein. Der sensible Kerl konnte nur Japanisch, als er hier in unserem ruhigen Deutschland ankam, um mal so richtig Radau zu machen, das prägte vielleicht auch das Ängstliche, Zurückgezogene, Vorsichtige in das Werk dieses "enfin terrible" hinein:



"Die vollendete Malignität des modernen Kunstbetriebs zeigt sich [...] gerade darin, daß noch der grellste selbstreferentielle Zynismus als Beweis für die Transzendenz der Kunst aufgefasst werden kann. [...] Man kann in puncto Selfishness nie weit genug gehen, solange das Pulikum bereit ist, auf Kunst wie auf eine Erscheinung von Transzendenz zu reagieren - und wie sollte es anders reagieren in einer Zeit, in der jedes beliebige Mehr an Sinn als religiöse Erfahrung aufgemacht wird?"