"Luhmann" kommuniziert mit "uns" und sucht noch (immer) nach einer Antwort auf die Frage, ob im Internet -- oder zumindest entsprechend strukturierten Hypertextsystemen -- "Kommunikation" (als Einheit von Mitteilung, Information und Verstehen) überhaupt stattfindet. Und wenn nicht, haben wir es dann in so strukturierten Netzen überhaupt noch mit sozialen Systemen zu tun?
"Dass Aristoteles mit mir kommuniziert" ist eine Vorstellung, die also gleichsam schreibtischspezifisch ist und nicht unbedingt in die Alltagssprache übernommen werden kann. [...] Eine letzte und ganz offene Frage, auf die ich überhaupt keine Antwort weiß, ist, ob wir mit Kommunikation auch noch dann rechnen, wenn auf Serialität verzichtet wird. Wenn man also Computerinformationssysteme hat, wo man sich fallweise etwas heraussucht, was man selbst dann neu kombiniert, wo gar nicht ein Satz auf den anderen folgt, sondern eine Information da ist und dann ein Spektrum von Verweisungen auf andere Informationen gegeben ist und man sitzt und macht sich eine Bahn und ruft auf den Bildschirm, was man dazu braucht, ohne eigentlich zwischen Information und Mitteilung unterscheiden zu können. Man ist wieder Beobachter erster Ordnung, man drückt auf bestimmte Knöpfe und dann kommt ein bestimmter Text zum Lesen und dann muss man irgendwie da was draus machen, gibt das vielleicht in den Apparat zurück, ohne dass bei diesen modernen -- wie heißen die? -- "Hypertextsystemen" mit Eigennamen markiert wird. Und es entwickelt sich eine Masse von Anregungen mit riesiger verdeckter Absorption von Unsicherheit und ebenso riesiger Erzeugung von Unsicherheit in der Auswahl und -- wer kommuniziert jetzt mit wem?
Mein schöner neuer Hypertext
("So bauen Spinnen ihre Netze unter Drogeneinfluss")
(Luhmann, Theorie der Gesellschaft (Autobahnuniversität, MC 13b))
