Posts mit dem Label Wittgenstein werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wittgenstein werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 30. Januar 2014

Was ist überhaupt "etwas"?

Über den Unterschied zwischen etwas, das nicht nichts, und etwas, das nicht nichts, aber auch nicht etwas ist.


Ein ontologisches Basisproblem besteht in der Annahme, dass es überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts gibt. Eine zentrale philosophische Grundfrage lautet daher: "Was ist überhaupt etwas?" Eine erste Antwort, die sich auf diese Frage nahelegen könnte, ist: "Etwas ist nicht nichts." Nicht nichts im Sinne einer Begriffsanalyse: "etwas" ist immer etwas insofern, als es Element der Menge aller gegenständlichen Bestimmtheiten ist, es ist - wie die Logiker sagen - "Element des Universums". Dieser Überlegung zufolge gibt es also nichts, was es nicht gibt. Es gibt alles. Nichts gibt es nicht.

Das passt auch mit unseren alltäglichen Redegewohnheiten zusammen, wenn wir etwa davon sprechen, dass etwas "nichts" ist oder war. Ein solches "Nichts" ist immer nur "nichts" im Sinne doch wieder von "etwas", das nicht Element einer bestimmten Menge ist. "Das war nichts.", geflüstert als Kommentar zu einem merkwürdigen Geräusch aus dem Unterholz, bedeutet eben: Es [das Geräusch], war "nichts von Relevanz, kein Element der Menge der Etwasse, die für uns jetzt hier relevant, bedenklich oder gefährlich wären." Etwas, das nichts ist, ist also "nichts" immer nur in Hinblick auf einen bestimmten Aspekt, es ist nicht etwas von dieser oder jener Art.

Ob aber etwas, das nicht nichts ist, auch immer schon etwas sein muss: DAS ist die eigentlich interessante Frage. Eine Frage, die noch vor Epistemologie und Ontologie - vor der Frage, was wir erkennen können, und der Frage, was es gibt - in deren Ununterscheidbarkeitsbereich hinein ihr Unwesen treibt. Die These ist also: Es gibt Etwasse, die nicht Elemente der Menge der gegenständlichen Bestimmtheiten sind. Wenn es aber etwas gibt, das nicht etwas ist, dann gibt es etwas, das nicht nichts und zugleich nicht etwas ist. Etwas also, das zwar außerhalb des Rahmens sprachlicher Adressierbarkeit, aber innerhalb des Rahmens des Artikulierten überhaupt steht.

Das bedeutet: Wenn etwas etwas ist, dann kann man daraus schließen, dass es nicht nichts ist. Wenn etwas aber nicht nichts ist, kann man noch nicht daraus schließen, dass es deshalb immer auch schon etwas ist. Man hat es beim Lesen wahrscheinlich bemerkt: Hier scheint sich ein Regress eingeschlichen zu haben. Etwas, das nicht nichts ist, ist ja wohl etwas, sonst wäre es ja nicht "etwas, das nicht nichts ist". Wir müssen also, wenn wir hier noch einen Schritt weiter kommen wollen, etwas von etwas, das eine etwas vom etwas anderen etwas unterscheiden:

Etwas, im Sinne all dessen, was ein Element der Menge aller gegenständlichen Bestimmtheiten ist, ist etwas anderes als etwas, das nicht nichts, aber auch kein Element der Menge aller gegenständlichen Bestimmtheiten ist. Diese Etwasse nun markieren den hypologischen Bereich. Sie sind die unteransprechbaren, nicht sprachlich adressierbaren Etwasse, was aber nicht bedeutet, dass sie nur ex nagativo als das Nicht-Begriffliche, Mystische undsoweiter adressierbar wären. 

In der Sprache lassen sich nur Bestimmtheiten adressieren (durch die Sprache lässt sich allerdings sehr viel mehr anzeigen. Durch Rhythmus, Intonation, undsoweiter). Die Sprache ist aber nicht das einzige Medium, in dem wir unsere Bezüge und Konstellationen artikulieren, in welchem wir Adressen als stabile Resonanzen etablieren. Deshalb sind in anderen Medien der Verständigung, etwa in der mimischen Interaktion, auch hypologische Positivitäten adressierbar. Sie können allerdings nicht in den Bereich des Sprachlichen als Bestimmtheiten übertragen, höchstens hier hinein meta-phorisiert, meta-morphorisiert werden: sprachlich sind sie tatsächlich nur als Unverfügbarkeiten adressierbar.  

Aber die Grenzen unserer Sprache sind glücklicherweise nicht die Grenzen unserer Welt.

[tl;dr: Blumen sagen mehr als Worte]

Dienstag, 12. Juni 2012

(Indirektes) Lob der Unschärfe - von einem, der´s eigentlich doch lieber genau wissen wollte.


("...das Wesentliche ist für die Augen...")
Wer bei der Entwicklung seiner Sprache bereit ist, von der "besonderen Beschaffenheit der Dinge" abzusehen, kann Schärfegewinne auf Kosten ihrer Weitläu- und -schweifigkeit erzielen. Das wusste auch, mit großem Problembewusstsein und metaphorischem Feingefühl, einer der Urväter der Formalisierung zu berichten, zog dabei aber - natürlich - die Schärfe der Analyse ("Formelsprache des reinen Denkens") der unscharfen "Sprache des Lebens" vor, weil die dann doch, von allzu Anschaulichem verunreinigt, zu allem bloß irgendwie mal irgendwann irgendwas zu sagen weiß, feiert ("Denn die philosophischen Probleme entstehen, wenn die Sprache feiert." Wittgenstein) und sich dann nach ungetaner Arbeit zu Bett begibt.

Daher ja auch, nach fregescher Prägung, der alte Sinnspruch: "Lieber das Auge verkannt als ein unscharfer Verstand."
Das Verhältnis meiner Begriffsschrift zu der Sprache des Lebens glaube ich am deutlichsten machen zu können, wenn ich es mit dem des Mikroskops zum Auge vergleiche. Das Letztere hat durch den Umfang seiner Anwendbarkeit, durch die Beweglichkeit, mit der es sich den verschiedensten Umständen anzuschmiegen weiss, eine grosse Ueberlegenheit vor dem Mikroskop. Als optischer Apparat betrachtet, zeigt es freilich viele Unvollkommenheiten, die nur in Folge seiner innigen Verbindung mit dem geistigen Leben gewöhnlich unbeachtet bleiben. Sobald aber wissenschaftliche Zwecke grosse Anforderungen an die Schärfe der Unterscheidung stellen, zeigt sich das Auge als ungenügend. Das Mikroskop hingegen ist gerade solchen Zwecken auf das vollkommenste angepasst, aber eben dadurch für alle anderen unbrauchbar.
So ist diese Begriffsschrift ein für bestimmte wissenschafttiche Zwecke ersonnenes Hilfsmittel, das man nicht deshalb verurtheilen darf, weil es für andere nichts taugt.
(Frege, Begriffsschrift)
Zur literarischen Metapher von Mikroskop und Guckkasten im 18 Jh. vgl. etwa "Das bewaffnete Auge" (Alexander Košenina).

Freitag, 1. Juni 2012

Unschärferelationen - Lob der Unentschiedenheit II


Explizierbarkeit vs. Formverlust
Man betrachtet die Wirklichkeit, indem man sie metaphorisiert.
(Gaston Bachelard)
Wenn Dinge verwickelter sind, muss ihrer Darstellung auch eine andere Schreibweise entsprechen. Unschärfere Gegenstände bedürfen unschärferer Beschreibungen; sonst kann es leicht passieren, dass einem mit der Steigerung vermeintlicher Präzision auch der Gegenstand auf einmal durch die Lappen geht, man bei lauter feinverkörnten Genauigkeiten ankommt und sich -- wenn man sich in denen nicht schon gleich verfängt -- fragen kann, wo denn auf einmal abgeblieben ist, über was man eigentlich hatte sprechen wollen. Andere versuchen gleich von Anfang an aus dem Sagbaren zu verbannen, worüber man nicht genau genug reden kann und wollen lieber zu allem Unscharfen schweigen. Muster verschwinden mit der Steigerung von Auflösegraden -- um das zu wissen, muss man nicht selbst impressionistisch veranlagt sein:
Unsere Ausführungen werden dann ausreichen, wenn ihre Klarheit und Bestimmtheit dem vorliegenden Stoff entspricht; denn man darf nicht bei allen Erörterungen denselben Grad von Genauigkeit (to akribes) suchen, sowenig wie bei handwerklichen Produkten.
(Aristoteles)
In der Physik haben wir uns schon lange davon überzeugen lassen, dass bestimmte Sachverhalte nur mit einer gewissen Unschärfe in Erfahrung gebracht werden können, und sogar, noch schlimmer, dass der Versuch, bestimmte Größen genauer zu erfassen, unweigerlich dazu führt, dass an anderer Stelle die Unschärfe steigt. Selbst vom Rechnen mit Wahrscheinlichkeiten hat man sich inzwischen überzeugen lassen, und tut dennoch bei konstitutiv unscharfen Gegenständen so, als müssten gerade hier -- und dann auch noch in den Geisteswissenschaften -- Vereindeutigungen immer möglich sein. Dabei riskiert man mit solchen eifrig voreilenden Schärfemaximen den Verlust der Redekompetenz über einige hochinteressante Themenbereiche: Atmosphären, Zeitgeist, Lebenswelt. Diffuse Gefilde des Denkens natürlich -- Vorsicht! Hier erhöhtes Diffamierungsrisiko:
Unsere Mystagogen spielen also mit dem Gespenst und dem Schleier, sie ersetzen Evidenzen und Beweise durch "Analogien" und "Wahrscheinlichkeiten"; das sind ihre eigenen Worte, Kant zitiert sie und nimmt uns zum Zeugen: Sehen sie selbst, das sind keine wahren Philosophen, sie greifen auf poetische Schemata zurück. Das alles ist Literatur."
(Derrida, Kants "Von einem neuerdings erhobenen vornehmen Ton in der Philosophie" paraphrasierend)
-- die Sprache wird weicher, weniger definitorisch, ausladender in der Auslegung [Wegbereitung] ihren Bedeutungs- und Assoziationshöfe: schwer, hier einen intensivierten Grenzverkehr mit der Literatur zu vermeiden, vor allem aber auch nicht nötig:
Der essayistische Gebrauch der Intelligenz ist eine zuerst unvermeidliche und später erst eine kultivierte Form der Kooperation mit dem Nicht-Festgestellten. [...] Wer in ihm eine Art "Erster Hilfe" des Denkens erkennt, begreift von ihm wohl mehr als der Kenner, der ihn als Verfeinerung genießt. [...]
Wo dieser Verdacht [ein Symptom von etwas Allgemeinem zu sein] sich konsolidiert, kann eine methodische Praxis beginnen, in deren Verlauf ein Autor sich selbst als Sonde für unklare Zustände im sozialen Raum benutzt.
(Sloterdijk, Medien-Zeit. Drei gegenwartsdiagnostische Versuche) 

Samstag, 3. März 2012

Reskriptionen aus dem de-molierten Lesen


Voreiliges zum Retrofuturismus. Zwischendrin: Eine Mikrotypologie akademischer Seminarbeiträge: Die "Ich weiß was!"-Meldung (enzyklopädisch-galant, assoziativ ausladend) und die "Ich versteh´ was!"-Meldung (zuerst unschuldig eine Frage suggerierend, dann scharf ins Thetische auslaufend), allerdings de-moliert. Wien. Karl Kraus als Homie von Hofmannsthal [--> "Die Fackel" wird zur "Leuchte"; echte (!) Gründungsurkunde]:

Mittwoch, 4. Januar 2012

"Kleine" philosophische Metaphernkunde




Mehr Problemverfeinerung als Ergebnislieferantin, mehr erkenntnistheoretische Fahrschule ohne Fahrlehrer als Kraftmeierei mit Thesen -- die Philosophie ist keine positive Wissenschaft. Auch Schiffereimetaphern helfen da wenig weiter, suggerieren auch nur, dass irgendwas Stehendes, Haltendes, Tragendes am Ende der Mühe entstehen soll:
Es gibt keine tabula rasa. Wie Schiffer sind wir, die ihr Schiff auf offener See umbauen müssen, ohne es jemals in einem Dock zerlegen und aus besten Bestandteilen neu errichten zu können.
(Otto Neurath, “Protokollsätze”) 
Haus- und Baummetaphern nicht besser, auch wenn dabei gelegentlich Bescheidenheit markiert wird:
Freilich fand es sich, daß, ob wir zwar einen Turm im Sinne hatten, der bis an den Himmel reichen sollte, der Vorrat der Materialien doch nur zu einem Wohnhause zureichte, welches zu unseren Geschäften auf der Ebene der Erfahrung gerade geräumig und hoch genug war, sie zu übersehen; [...].
(Kant, KdrV, B 735)
So wird sorgsam Stein zu Stein gefügt und ein sicherer Bau errichtet, an dem jede folgende Generation weiterschaffen kann. 
(Carnap, Der logische Aufbau der Welt, xiv)
Jene Ausbildung muß endlich vollendet, und das uns bestimmte Wohnhaus fertig werden.
(Fichte, Die Bestimmung des Menschen)
Ganz anders natürlich Bewëgungs-, Fluss- und Richtungsmetaphern. Ziel der Philosophie ist hier nicht mehr Zustand, sonden -- wer altbacken-esoterischen Slang nicht verabscheut -- selbst "Weg": "der Fliege den Weg aus dem Fliegenglas zeigen" -- also nicht: Ankommen, sondern: "unterwegs zur Lösung" sein. Wenn Zustand allenfalls dynamisch.

Dann vielleicht lieber Geschmacksmetaphorik? Das Fragen ist die Bekömmlichkeit des Denkens; wer dagegen wild herumbehauptet verdirbt sich schnell den Magen. Oder auch einfacher: Philosophie ist Essig.

Dienstag, 15. November 2011

Üpsielohns moderne Lyrik-Kiste IV: Der Mersch durch die Modulationen


Dia-le. Mersch durch die Modulationen!
Ups! Hier ist aber etwas durcheinandergeraten... Dito Mösch hat uns verschiedene Zettel mit Worten als Gedicht zugeschickt. "Dia-bolisches Gedicht durch Worte", stand da auf dem Umschlag. Kannst Du troztdem verstehen, was er meint?


Das
Dia-le, Me
Aus der Mitte meines Ambiguiden
Dia-phan. Dia-pan. Dia-plan:
Morgen: Kohlrouladen
Meta-Xy. Meta-Sta.. Neee. Da.
Du Nich Medda.
Da.Zwischen
Die Chiffern verwüschen:
"An ihren Bruchstellen
Geräte auf Schreibtüschen"

Samstag, 16. Juli 2011

Was tun bei "Referenzverlust"? - "Das Problem (einfach) durch weitere Unterscheidungen auflösen"!


Der Ununterscheidbare versucht sich als theoretischer Beruhiger für von philosophischen Fragen hektisch überhitzte Gehirne:

Eine soziologische Erklärung hat die Form: "Du gebrauchst die falsche Unterscheidung." 

"Die Formel »Referenzverlust« -- manche sagen »Erfahrungsverlust« oder noch drastischer »Sinnverlust«, und einige glauben sogar, daß andere nicht mehr an ihren Körper glauben -- die Formel Referenzverlust faßt wie in einem Brennspiegel das zusammen, was die Distanz zur alteuropäischen Tradition ausmacht. Die Formel ist jedoch zu kompakt und zu negativ, um Zukunftsperspektiven zu erschließen. Was heißt, das diskutieren Philosophen, überhaupt »Referenz«, und was ist der Fall, wenn sie verloren geht? Was ist der »andere Fall«, der durch die Form der Formel »Referenzverlust« mitgemeint sein muß ? Um diesen Fragen nachgehen zu können, müssen wir das Problem durch weitere Unterscheidungen auflösen.
Die stillschweigende Unterstellung, ohne Referenz auf eine Außenwelt sei keine Wahrheit möglich (weil mit »Wahrheit« genau dies gemeint sei), hat zu endlosen und unergiebigen Diskussionen des Realismus-Problems geführt. Wenn aber die Operation des Referierens -- wir haben von Bezeichnen gesprochen -- selbst als eine reale Operation aufgefaßt werden muß, kann man nicht mehr ernsthaft meinen, real sei nur das, was sie bezeichnet (referiert). Allerdings genügt es nicht, dann bloß, auf die Gegenposition überzuwechseln und sich an die Realität der referierenden Operation zu halten. Denn diese ist für sich selbst unzugänglich, und sie wäre für einen Beobachter wiederum nur als etwas referierbar, was er bezeichnet. So kommt man nur zu der bereits laufenden Kontroverse zwischen Realismus und Konstruktivismus -- so als ob es sich um inkompatible Positionen handelte. 
Uns gilt die Unlösbarkeit eines so gestellten Problems als Indikator dafür, daß die moderne Gesellschaft ihr Erkenntnisproblem anders formulieren muß."

(Die Wissenschaft der Gesellschaft, 1990) 

Donnerstag, 24. Februar 2011

"Zehn und Zwei macht Verve" - Philosophieren heißt Streben lernen. - Aber wohin bloß!? (*Demutslektionen*)


Manchmal geraten einem in aller Hektik und Mühsal akademischen Arbeitens die Quellen durcheinander. Das heißt aber nicht, dass sich das Ergebnis am Ende nicht doch zumindest sehen lassen kann:


















Eine neue "Einleitung in die Philosophie": 

Daß alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, daran ist gar kein Zweifel; denn wodurch sollte das Erkenntnisvermögen sonst zur Ausübung erweckt werden, geschähe es nicht durch den Reichtum an Gegenständen und Waren, die unsere Sinne täglich rühren und teils von selbst schöne Vorstellungen bewirken, teils aber auch unsere Verstandestätigkeit in Bewegung bringen, diese zu vergleichen, sie zu verknüpfen oder zu trennen, und so den rohen Stoff sinnlicher Eindrücke zu einer Erkenntnis der Produkte zu verarbeiten, die Erfahrung heißt?
Der Reichtum der Gesellschaftssysteme, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint heute als eine ungeheure Warensammlung, die einzelne Ware als seine Elementarform. Die Welt ist aber das System der Tatsachen, nicht der Waren. Die folgenden Überlegungen gehen daher davon aus, daß es solche Systeme gibt. Sie beginnen also nicht mit einem erkenntnistheoretischen Zweifel. Selbstverständlich darf man Aussagen nicht mit ihren eigenen Gegenständen verwechseln; man muß sich bewußt sein, daß Aussagen nur Aussagen und wissenschaftliche Aussagen nur wissenschaftliche Aussagen sind. Trotzdem hat das moderne Denken einen beachtlichen Fortschritt gemacht, indem es das Existierende auf die Reihe der Erscheinungen, die es manifestieren, reduzierte. Es wurde ihm deutlich und gewiß, daß es keine Sonne kennt und keine Erde; sondern immer nur ein Auge, das eine Sonne sieht, eine Hand, die eine Erde fühlt; daß die Welt, welche es umgiebt, nur als Vorstellung da ist, d.h. durchweg nur in Beziehung auf ein Anderes, das Vorstellende, welches es selbst ist. Man wollte hierdurch eine gewisse Zahl von Dualismen überwinden, die die Philosophie in Verlegenheit gebracht hatten, und sie durch den Monismus des Phänomens ersetzen. Auf dem Boden der griechischen Ansätze zur Interpretation des Seins hat sich durch diesen Vorgang inzwischen aber leider ein Dogma ausgebildet, das die Frage nach dem Sinn von Sein nicht nur für überflüssig erklärt, sondern das Versäumnis der Frage überdies sanktioniert.
Diese ganzen Verwirrungen des philosophischen Denkens wollen wir im Folgenden abschließend auflösen.

Dienstag, 22. Februar 2011

Car-nap: "Uhaaa!" - Im Auto auf der Baustelle eingeschlafen, mitten in einem logistischen Alptraum wieder aufgewacht

Leitern nach Gebrauch bitte wegwerfen! (Quelle: flickr - any_user)
Aus "Der logische Aufbau der Welt" (1928), §46:

"Nachdem wir das Problem der Stufenformen erörtert und gefunden haben, daß die einzelnen Stufen des Konstitutionssystems in Form von Klassen- und Relationsdefinitionen erbaut werden sollen, erhebt sich nun als zweites Problem das der "Systemform" [...]. Wie ist der Stufenbau anzulegen, damit die Gesamtheit der Wissenschaftsgegenstände darin Platz findet (siehe Abbildung oben)? [...]
BEISPIEL Aussage in Worttext: "wenn einer ein Neger ist, so ist er auch ein Mensch"; logisch geformt: "gehört einer zur Klasse der Neger, so auch stets zur Klasse der Menschen"; logistische Fassung des logischen Skeletts: "(x) : x ɛ Neger. ↄ [Def. ↄ := Vertretungszeichen für´s echte Teilmengenzeichen] . x ɛ Mensch"; logistische Fassung der ganzen Aussage: "(x) : x ɛ ne. ↄ . x x ɛ me"."

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Krieg spielen und friedlich lieben - Das Paradox der Spiele

"Das Spiel ist ein faszinierendes Phänomen. [Undsoweiter....] Jede menschliche Tätigkeit - ob Sprache, Arbeit, Familie oder Politik - lässt sich bei genauem Hinsehen als ein "Spiel" beschreiben. [Undsofortodersoähnlich]"
"Spiel" - das ist einer der Begriffe, in denen manche Theoretiker so gerne den Wunderschlüssel sähen, mit dem sich die Truhe, in der das anthropologische Geheimnis noch immer verborgen liegt, letztlich doch noch müsste öffnen lassen. ("Symbol", "Text" und "Theater" gehören auch dazu.)

"In den zwanziger Jahren schrieb Walter Benjamin, es gelte den Irrtum zu überwinden, der «Vorstellungsgehalt eines Spielzeugs bestimme das Spiel des Kindes, da es in Wahrheit sich eher umgekehrt verhält». Das Spiel bestimmt also die Bedeutung des Spielzeugs, nicht umgekehrt." NZZ
Da hat Benjamin sicher recht gehabt.  
Alle anderen aber, die inzwischen keine Lust mehr auf immer hektischer werdende Kriegssimulationen auf ihrer angestaubten PS3 haben und nicht länger durch den riesenhaften Einsatz ihrer Imagination festlegen wollen, was ihr Raketenwerfer jeweils  eigentlich bedeuten soll, sollten vielleicht auf diese historische Alternative ausweichen: Das Adler-Luftkampfspiel.

Neben diesem war in Kriegszeiten vor allem noch ein Schachspiel beliebt, das sich klingend "Tak Tik Wehrschach" nannte (gab es offenbar auch in einer Taschenversion für die Front). In der Anleitung findet sich der  bitter-amüsante Begriff der "Kampfaufgaben" , die regelmäßig von Zeitungen und "öffentlichen Organen"  veröffentlicht worden sind, um die Männer auf Trap zu halten. Theoretiker der symbolischen Interaktion, Homo-Ludisten und die Partei der ewigen Griesgrame streiten sich noch um die angemessene Einordnung solcher Phänomene. Wie dem auch sei:

Mehr denn je steht das Spiel als utopischer Gegen-Ort heute auf dem Spiel.
[Kalauer]