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Freitag, 4. Februar 2011

Ein Kriegstagebuch: Tag 38

"38. Tag

Irgendwas ist ganz schief gelaufen. Gestern Mittag, halb drei vielleicht. Alles hat hier auf einmal einen Riss und nichts (da bin ich mir irgendwie ganz sicher) kann das jetzt wieder rückgängig machen. Der Boden ist auf einmal viel zu weich. Wir versinken hier langsam drin. Die anderen schauen mich so komisch an. Da ist ein Lächeln auf ihren Gesichtern, das etwas über mich weiß, das ich nicht wissen soll. Die wollen mich loswerden. Jetzt schaun die wieder so blöd wie Schulmädchen vorm Geschäft.
(Quelle: Wiki-Commons
Ja, passt nur auf. Bald habt ihr nichts mehr zu lachen. Ich bin kein hohles Klischee aus einem eurer beschissenen Filme. Ihr kennt mich nicht. Ich werd das nicht zulassen.
Jim fragt, ob ich mit ihm nochmal rausgehe. Er meint, vielleicht wär das nochmal einen Versuch wert, ich könnte dann ja schon sehen, dass da nix ist. Ich glaub ihm nicht. Irgendwas ist hier richtig schief. - Jetzt sitzt er wieder in der Ecke und kuckt blöd vor sich hin. Dieter liest nicht mehr. Ich glaub, eigentlich hat der gar nie gelesen. Der wollte nur, dass ich das glaube. Ich hab in eins seiner Bücher geschaut. Die waren leer. Aufnehmen geht nicht mehr. Nur Unsinn stand da drin. Aber er sagt ja auch gar nichts mehr."

Dienstag, 25. Januar 2011

Ein Kriegstagebuch: Tag 28

"28. Tag

Komisch, immer wieder die gleichen Worte im Kopf: Tage, Tragen, Lage. Jede Stunde klopft die Uhr an die Wand. Jim sagt nix mehr, er meinte: "Das geht so einfach nicht mehr", gestern, als wir alle so dasaßen, aber naja, ich mein, was sollen die anderen schon sagen. "Nee man. Ernsthaft jetzt, die spinnen einfach. Die haben uns hier einfach reingepackt, damit wir am Ende hier zugrundegehen." 

Die Tage fließen widerlich runter, zu lang alles.
(Quelle: Wiki-Commons)

Wahrscheinlich haben die uns wirklich hier reingesetzt, damit wir unser eigenes Scheitern beobachten können. Dieter liest immer, liest immer weiter verrückter Kerl. Keine Ahnung, wieso der das macht. Wollte auch nicht sprechen. Grummelt zwischen den Lippen irgendwas: "Moment" oder "Wart mal".

Igor glotzt sein stieriges Glotzen. Der soll mir gestohlen bleiben. Ich check einfach nicht, wer dem das dumm-blöde Zutrauen in die Welt ins Gesicht geschlagen hat. "Hey hey, keine Panik!", immer gesellig und entspannt, hört gar nicht auf damit.

Es gibt keine Lücke hier, wo noch irgendwas anders sein könnte. Alles schon da. Möbel wären schön, eine Schublade."

Donnerstag, 20. Januar 2011

Ein Kriegstagebuch: Tag 23

"23. Tag

Jetzt sitzen wir hier schon drei Wochen. Staub und Weißbrot, immer schwarze Wände und dabei nicht einmal Radio. Kein Blick, kein Licht, kein Telefon. Man hört auch gar nichts, überhaupt. 
(Quelle: Wiki-Commons)
Inzwischen bin ich mir da ziemlich sicher: Da iss´ gar niemand, keiner da, auf der anderen Seite. Wir warten uns hier alt, bis uns einfach niemand mehr brauchen kann. Jim war gestern - ist ja "eigentlich untersagt" - draußen unterwegs: "Da ist nichts. Ganze Umgebung abgesucht. Echt, überhaupt, niemand." Aber wir dürfen ja die Stellung nicht räumen, "auf keinen Fall räumen, auf keinen Fall nach draußen" - vielleicht auch nur ein dummer Witz oder so. Also sind wir halt jetzt hier: fünf dicke Freunde auf der Lauer. Obwohl, Igor nervt mich langsam tierisch an, blöder Wichtigtuer ist das, und hat keine Ahnung, wovon er da immer faselt: "Mission" und "Projekt" und "Aufgabe" und gestern sowas wie "Wir sind der Blitzableiter der Weltgeschichte, Jungs" -  voll Banane. Aber Dieter ist lieb. Sagt nicht viel ("Mann wie ein Baum, aber spricht halt nichts.") liest nur immer in seinem "Mann ohne Eisgiraffen" oder wie das heißt, "große Literatur", hatter gesagt: Als ob ihm das noch was helfen könnte - - aber nett isser. 

Die Situation ist jetzt eh schon langsam voll aus den Fugen geraten. Das Ereignis wird nicht stattfinden, glaub ich. Drei Wochen sind so furchtbar öde. Wenn wenigstens mal was passieren würde."