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Samstag, 7. April 2012

"Urheber, echt!?" - Herausforderung durch multiplizierbare Ware


"Du bist nicht Original wie eine Fotokopie"
"I don´t blame someone for being a copycat. I´m a copycat aswell, we all are." 
"Du bist der Auffassung, dass dir die Musik gehört. Ich habe immer nur Musik gehört."
 Retrogott

Vorweg: Der folgende Versuch entspringt einem kritischen Impuls: Er soll vor allem dazu dienen, in der Debatte oft als Selbstverständlichketien suggerierte Behauptungen zu "ent-sichern" [wie gedankliche Wegfahrsperren], um ihnen ihre Mobilität zurückzugeben.

Wem gehören meine Gedanken?

"Meins!" -- Landnahme oder Urhebe?
Urheberrecht setzt voraus, dass es einen Urheber gibt, einen, der das Werk zuerst [wie einen Schatz] gehoben, der sein Urbild hergestellt hat: Im Werk des genialischen Künstlers, dessen auratischer  Wert am Original haftet, findet sich diese Idee des Urhebers idealtypisch verwirklicht. Hier wird nicht kopiert, sondern originär geschaffen.
Wie ist es aber mit der menschlichen Kunst? Durch die Baukunst etwa, so könnte man doch sagen, bringt sie das Haus selbst hervor, durch die Malerei aber ein anderes Haus, so etwas wie ein von Menschen erzeugtes Traumbild für Wachende.
(Platon, Sophistes) 
Allerdings hat Kant, der die genieästhetische Tradition wesentlich (als einer ihrer Urheber) mitgeprägt hat, das Genie selbst als "Naturgabe" interpretiert, sodass nicht eigentlich das Genie, sondern die Natur Urheber seiner Werke wäre; die allerdings könnte ihre Urheberschaft nur schwer selbst rechtlich verwerten (--> Patente auf pflanzliche Wirkstoffe). Wenn Künstler nun den Besitz an den Produkten ihre Köpfe einklagen -- wobei zu überlegen bleibt, ob der Kopf hier wirklich die richtige Zurechnungsadresse ist, "denn wenngleich die meisten Menschen das Denken im Kopfe zu fühlen glauben, so ist das doch bloss ein Fehler der Subreption [heute: der Erschleichen von Leistungen], nämlich das Urteil über die Ursache der Empfindung an einem gewissen Orte (des Gehirns) für die Empfindung der Ursache an diesem Orte zu nehmen" (Kant in einem Brief an Sömmering, 1795) -- scheinen sie vorauszusetzen, dass die eigenen Ideen natürlicherweise einen privaten Besitz darstellen (und nicht etwa ein "Besitz" der Menschheitsgeschichte o.ä.). 

Aber gehören "meine" Gedanken denn "mir"? Bin "ich" denn ihr Urheber? Und was würde das genau bedeuten? Dass "ich" "meine Gedanken" gewissermaßen intentional in mich hineindenke? Ich müsste dann meine Gedanken (die Idee einer Melodie, ein neues Wort, den nächsten Vers für ein innovatives politisches Gedicht) schon "haben", bevor ich sie habe, um sie mir dann selbst einfallen zu lassen. Einfälle zeichnen sich nun aber gerade dadurch aus, dass sie eher zu einem kommen, als dass man sie in sich selbst hereinbringt. Der Einfall fällt eben ein, er-eignet sich [oha, Todtnauberg]. ("Ideas come to us. We don´t really create an idea. We just catch them -- like fish. No chef ever takes credit for making the fish. It´s just preparing the fish." -- Lynch). Ist er aber damit schon mein Eigentum? Gerade so, wie ein Eroberer meint, dass ihm das Land gehöre, dass er "zuerst" betritt? ("Der war zuerst bei mir! Mein Kopf! Mein Gedanke!") Und woher weiß ich, dass ein Gedanke zuerst bei mir war? Dass es nicht die Tradition, bisherige Lektüre, Filmkenntnis, die eigene Umgebung usw. war, aus der der Einfall kam? Wie dem auch sei -- Urheberschaft ist keine natürliche Tatsache.

Als soziales Phänomen ist Urheberschaft eher eine Frage der Zurechnung. Natürlich kann man, ähnlich wie in der Diskussion um die Willensfreiheit ("Wer ist der Autor meiner Handlungen?" - Mein Gehirn? Hormone? "Ich selbst" am Ende?), Urheberrschaft dekonstruieren. Sie wird dann, ganz wie die Frage nach der Zuschreibbarkeit von Verantwortung bei Strafttaten, eine Frage der Grenzziehungen und der Definitionen, ist wie diese dann Gegenstand sozialer Aushandlung. Urheber zu sein bedeutet dann nur: das Subjekt der rechtlich legitimen Zuschreibung von Urheberschaft zu sein. Und das wird hoffentlich auch so bleiben, die Frage ist nur: Unter welchen Bedingungen?

Aneignung ohne Enteignung - Multiplizierbare Ware

("Datenhighway" - Raubdruck und frz..Rev.)
Gedanken sind natürlich noch keine Werke, müssen erst zu solchen gemacht werden -- wie bei der Produktion von anderen Gütern auch. Nachdem die Künstler nun dazu übergegangen waren, nicht mehr Geschichten ohne klaren Urheber als Sänger oder Erzähler durch die Generationen abwandelnd zu tradieren, konnte der Künstler, der jetzt Originale produzierte, seine Originale auch als Originale vermarkten. Die von ihm urgehobenen Werke besaßen dabei gewissermaßen einen natürlichen Kopierschutz, sofern sie eben nicht als Originale kopiert werden konnten. Die Möglichkeit, Werke technisch zu reproduzieren, schien dann -- so mutmaßte zumindest Walter Benjamin -- dazu zu führen, dass die Originale schrittweise ihre auratischen Qualitäten verloren. Im Zeitalter ihrer digitalen Reproduzierbarkeit scheinen Werke nun nicht mehr nur technisch reproduzierbar, sondern verlustfrei multiplizierbar zu werden. Auf sie scheint mit einemmal zuzutreffen, was Luhmann einmal über die Kommunikation bemerkte: dass bei ihr
[...] nichts weggegeben wird. Derjenige, der etwas mitteilt, verliert sein Wissen sozusagen nicht aus dem Kopf, es ist also nicht so wie ein ökonomischer Vorgang, wo man, wenn man gezahlt hat, das Geld hinterher nicht mehr hat oder das Ding, was man überträgt, nicht mehr besitzt, sondern es ist ein Vorgang, der offenbar multiplikativ wirkt. Erst hat es nur einer und dann wissen es zwei oder mehr oder hunderte oder millionen oder mehr; je nachdem, an welches Netzwerk wir hier jetzt denken.
(Luhmann, Einführung in die Systemtheorie, MC13A, Kommunikation)
Kopie ist also Aneignung ohne Enteignung. Das kopierte wird nicht entwendet, sondern "bloß" unerlaubt vervielfacht. Die Möglichkeit ihrer digitalen Reproduktion erhöhte dabei auch die Reichweite der Werke. Was früher noch an körperliche Präsenz und Aufführung gekoppelt war, ließ sich jetzt beliebig oft reproduzieren und damit auch beliebig weit verbreiten. Das hat dazu geführt, dass erfolgreiche Künstler unwahrscheinlichste Verbreitungsweiten erreichen, und, solange die technische Reproduktion ihrer Werke für Laien noch verhältnismäßig aufwendig war, erstaunliche Verkaufszahlen erzielen konnten. Einmaliger Produktion stand potentiell beliebige Vervielfältigung gegenüber -- eine äußerst unwahrscheinliche Ware.

Heute erscheint es mehr als deutlich, dass mit den verlustfrei multiplizierbaren Waren eine neue Sorte von "Gegenständen" das Licht der Welt erblickt hat. Und es wird schwierig werden, durch künstliche Restriktionen (z.B. Kopierschutz) die Eigenschaften der "alten" Gegenstandswaren (vor allem: die strenge Korrelation von Übertragung und Enteignung) auf multiplizierbare Waren zu übertragen (das gilt allerdings auch schon für öffentliche Rezitation von Gedichten oder Liedern, für Kommunikation). Dateien sind keine in der Festplattengarage parkenden Informationsautomobile. Ihre Multiplizierbarkeit kann eine Chance sein, jedenfalls wird sie sich kaum verhindern lassen, das erfordert auch ein neues Verständnis der Möglichkeiten ihres Vertriebs: 

[via autopoiet]

Mittwoch, 8. Februar 2012

Zorn und Sound

Nimmt die Verausgabung des Zorns entwickeltere Formen an, kommt es so weit, daß die Saaten des Zorns bewußt gesät und die Früchte des Zorns mit [verbaler] Sorgfalt geerntet werden.
(P.S., Zorn und Zeit)
[Der Original-Ausschnitt aus der SWR-Diskussion findet sich hier]

Dienstag, 13. Dezember 2011

Regen über Europa...


Unter der "Ebene d. gemeinsamen Verantwortlichkeit" steht zwischen den Modellen "Titanic" und "Offener Gravitationsraum mit deutsch-französischem Kraftkern" die Frage nach der "Konstitution einer europäischen Bürgeröffentlichkeit" durch neue "Engagementkulturen"

Auf der anderen Seite jagt die "Wirtschaft" unter der fragwürdigen Aufsicht von Carl Schmitt Flüchtlinge in Richtung "Festung Europa".

Sonntag, 23. Januar 2011

Was tun mit Cash? - Chef oder Hausmeister?

Das "Gelbe Forum" lädt ein zum Finanzkrise- und Stil-Talk:

Was tun mit Cash?
verfasst von Leserzuschrift, 06.04.2009, 19:42

Hallo Chef oder Hausmeister!

Ich lese nun seit Oktober 2008 mit. Wo ich aber immer noch nicht klar sehe, was soll ich mit meinem Cash machen?

Mein Bruder und ich bekommen in ca. 3 Wochen jeder 300.000 Euro aus einem Immobilienverkauf.

Jeder ist schuldenfrei - jeder hat eine selbstgenutzte, schuldenfreie Immobilie.

Wohin mit dem Geld. Eine Immobilie möchten wir (zum vermieten) nicht kaufen. Was tun?

Könnten Sie bitte die Frage online stellen?

Auch wenn der Humor im Forum manchmal etwas dunkel ist, gibt es vielleicht ein paar fundierte Tipps für uns.

Besten Dank im voraus

...

Nun,wenn er sich nicht traut 
verfasst von Zweistein, 06.04.2009, 23:08

dann erlaube ich mir mal 'nen Einwurf.

Es ist schon schwer für manch zartes Gemüt, wenn es hören muss,Fremdgehen sei unmoralisch, aber der Prediger fast täglich die Nachbarin " beglückt".
Das System ist zwar verdorben, am Ende und wird nur noch notbeatmet, aber es macht Spass mittels der Verderbtheit Kohle zu machen. Nicht jeder kann vertragen, wenn man dies auch noch unverhohlen zugibt.

Ich habe keine Probleme damit, aber kann es zuweilen verstehen, dass es anderen eben anders geht.

Ich würde mit meinem geringen Sachverstand mein "überflüssiges" Geld in Firmen stecken, die Rohstoffquellen ihr eigen nennen. So hätte ich in der Pleite vielleicht wenigstens noch einen Meter der Erzader. Na ja,besser als ein Stück Papier für den Bilderrahmen.

Zweistein
(ungefragt)

...

@Chef od. Hausmeister...
verfasst von Holger, 07.04.2009, 00:21

...wenn ich jetzt rein hypothetisch nachfragen würde, ob Zweistein augrund seiner geistigen Ergüsse auch tatsächlich körperlich masturbiert - wäre dies ein Verstoss gegen die Forumsregeln?

Ich meine, ungefragt einen Mülll zu verzapfen gehört auch unter Strafe gestellt...
>
> Zweistein
> (ungefragt)od.

...

Auf Deinem rhetorischen Niveau
verfasst von Hausmeister, 07.04.2009, 09:03

ist neben Harald Schmidt gerade eine Stelle frei geworden. [@Holger]

Falls wir uns demnächst sicher sein müßten, daß Dein geistiges Niveau sich auch im Bereich
Deiner Rhetorik
bewegt ODER aber Du diese nicht umgehend qualifizierst, wird es hier ganz schnell
ganz eng für Dich.

Ob Dich die ARD dann haben wöllte, wage ich äußerst stark zu bezweifeln, aber es wäre mir deswegen auch völlig egal, da absolut schmerzlos verzichtbar.

Und ein Leseverbot bräuchtest Du ja trotzdem nicht befürchten [[freude]]

Jedenfalls habe ich jetzt einen Zettel mit Deinem @Namen in meine Kitteltasche.

HM

PS:
1. Richtiges Deutsch klingt anders.
[...]