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Mittwoch, 17. Oktober 2012

Lernen, ernsthafter mit Ironie umzugehen: Max Müller - Natur


Bruder des "Tödliche Doris"-Frontmanns Wolfgang Müller, der bei Merve noch über "geniale Dilletanten" schrieb,
"Dilletantismus auf musikalischen (aber auch allen anderen möglichen) Bereichen hat nichts mit Stillstand durch Nicht-Professionalität zu tun - ganz im Gegenteil - Entwicklung unter Einbeziehung aller möglichen und angeblich unmöglichen Bereiche kann ein universellen Ausdruck finden, dem die Profis hilflos unterlegen sind."
Wolfgang Müller
auch bei seinem kleinen Bruder also der Krieg der Basen offenbar ständig im Kopf: Hier mit dem Versuch, existenzielle Ergriffenheit durch Ironie vor leichtfertiger Ironisierung zu schützen (aus dem Album "Endlich tot"). [Frage: Könnte vorweggenommene Ironisierung als wertvoll Empfundenes vor Ironiemissbrauch behüten? --> Unterwegs zu einer neuen Ironie, die vorsichtig wirklich meint, was sie sagt und das Gesagte als Botschaft durch Ironiemarkierung trotzdem destabilisiert.] 

[Re-Entire von 11.03.12]

Sonntag, 18. März 2012

Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Persiflierbarkeit


Gerhard Richter zeitlich unscharf zum 80. Geburtstag [Original ursprünglich vom 26.07.11]. Alle einzelnen Phasen lassen sich (inzwischen bis Phase #105) bei Bedarf hier nachvollziehen:

Phase #0



Phase #45



Phase #90

Donnerstag, 2. Februar 2012

Erlesener Kant an vergorener Meese, expressiv serviert.

Da nun die Originalität des Talents ein (aber nicht das einzige) wesentliche Stück vom Charakter des Genies ausmacht: so glauben seichte Köpfe, daß sie nicht besser zeigen können, sie wären aufblühende Genies, als wenn sie sich vom Schulzwange aller Regeln lossagen, und glauben, man paradiere besser auf einem kollerichten Pferde, als auf einem Schulpferde. [...] Wenn aber jemand sogar in Sachen der sorgfätigsten Vernunftuntersuchung wie ein Genie spricht und entscheidet, so ist es vollends lächerlich; man weiß nicht recht, ob man mehr über den Gaukler, der um sich so viel Dunst verbreitet, wobei man nichts deutlich beurteilen, aber umso mehr sich einbilden kann, oder mehr über das Publikum lachen soll, welches sich treuherzig einbildet, daß sein Unvermögen, das Meisterstück der Einsicht deutlich erkennen und fassen zu können, daher komme, weil ihm neue Wahrheiten in ganzen Massen zugeworfen werden, wogegen ihm das Detail [...] nur Stümperwerk zu sein scheint.
(Kant, Kritik der Urteilskraft, §47)

Ein etwas aktuelleres Meese-Portät findet sich hier.

Dienstag, 8. November 2011

Üpsielohns moderne Lyrik-Kiste III: Retrogott@Nacktscanner, Doktor in ´Pataphysik


Üpsielohn trifft beim Durchstöbern der virtuellen Archive immer wieder auf Goldstücke, die noch nicht (und zum Glück) ins hochkulturelle Kunstraster passen:



"Ein bisschen Ying, ein bisschen Yang. (Geht immer). 

Deine Freundin legt sich nackt auf den Scanner, um ihre Brüste zu vergrößern. Ich brauch´ keinen Soundcheck, der Soundmann wird / zehn Minuten vor / Show-Beginn / ohnehin / Kokain genommen haben. Yoa. Die Welt besteht aus Opfern und Opfern. Und die Logik dessen kommt auf deinen Gott an. Rapper faken rum wie Depressive in Gesellschaft die fragen, ob alles gut ist, und dann sagen: "Bei mir auch." Syntaxerror. Ideologiefreier Terror. Zwar bewaffnet / doch die möglichen Ziele sind so vorbelastet / mit Religion oder Politik / menschlichem Versagen / Doktor in ´Pataphysik ["Eine typische ’pataphysische Untersuchung ist die Berechnung der Oberfläche Gottes.", Wikipedia]. Zwischen Turnschuhfabrik und einem abgefilmten Fick / kostet deine Meinungsfreiheit dich nur einen Doppelclick. Was heißt hier "nur"? Das ist echte Feinmotorik. Evolution benutzt keine Nazi-Rhetorik. Die Ermittlung der Wahrheit / Stasi-Methodik / gegenüber ihrem / Schwarz auf Papieren. Yeah. Und komm mir nicht mit Ästhetik, BPM-Genetik, Drumcomputer-Kinetik. Retrogott im Untergrund immun gegen den Untergang. Liebe ist ein Pulverfass, also zünd dir ´ne Lunte an." 

"Wenn du dich zum Untergrund zählst, reicht es nicht nur es zu sagen. Du musst noch sehr viel graben, um es zu werden."


Der wahre Untergrund ist nicht sehr dicht bevölkert (worauf auch das Kellerkind bei seiner frenetischen Begrüßung der "Rückkehr des pop-ästhetischen Lumpenproletariats in die Dominanzkultur" schon mit aller Deutlichkeit hingewiesen hatte):

Für die Wenigen, die von Zeit zu Zeit wieder fragen, d.i. das Wesen der Wahrheit erneut zur Entscheidung stellen.
Für die Seltenen, die den höchsten Mut zur Einsamkeit mitbringen, um den Adel des Seyns zu denken und zu sagen von seiner Einzigkeit.
Das Denken im anderen Anfang ist in einer einzigen Weise ursprünglich geschichtlich: die sich fügende Verfugung über die Wesung des Seyns. Ein Entwurf der Wesung des Seyns als das Ereignis muß gewagt werden, weil wir den Auftrag unserer Geschichte nicht kennen. Vermöchten wir die Wesung dieses Unbekannten in seinem Sichverbergen von Grund aus zu erfahren.
(Heidegger, Beiträge zur Philosophie (vom Ereignis....wuhuhuhu)


[Das Kinski-Original war das hier]

Montag, 7. November 2011

Unsere Großen XVIII: Hoffnung als Kulturthermometer (Ernst/Rio-Doppel-Feature)




Unausgeschöpfte Latenzen. Die Wirklichkeit als eine Reihe abgebrochener Versuche, doch noch mehr aus dem Ding zu machen. Was übrig bleibt liegt irgendwo auf dem ungeraden Weg von hier nach anderswo. Die Welt in der Garage abgestellt,  "aber mein Place to be ist utopisch"

"Weil das eigene Leben noch weit liegt, wird jede Ferne verschönt. Der Wunsch reißt nicht nur zu ihr hin, sondern er reißt nun ohne Versteck in sie aus, desto heftiger, je enger die eigene Lage ist. [...] Wenn einer der stärksten Wünsche der menschlichen Natur und einer, der am häufigsten verletzt wird, dieser ist, wichtig zu sein, so verbindet er sich überdies besonders stark mit dem Wunsch nach importanter Umgebung. Begabte Mädchen wünschen in diese durchzubrennen; München zog so an um 1900, Paris weit länger. Hingerissen betritt der Student die große Stadt, sie ist ihm außer dem sichtbaren Glanz mit lauter ungeduldigen Hoffnungen bevölkert. Hier glaubt er den Grund und Hintergrund zu einem endlich gemäßen Dasein zu haben; die Häuser, die Plätze, die Bühnen wirken utopisch erleuchtet."
(Bloch, Prinzip Hoffnung)

Sonntag, 23. Oktober 2011

Unsere Großen LVI -> ∞: Warten auf TaktloSS


Aus einem alten Wikipedia-Eintrag:
"In Taktloss' Texten, die mit skurrilen, nonsensehaften Vergleichen („Ich kack’ auf dich wie ein Kakadu“), Chiffren („Wenn ich schlafe, spielen auf meiner Zunge Pinguine Harfe“ (Battlerappionier)) und Wortspielen („Dafür schenk’ ich dir kein' Beifall sondern Abfall“ (Ich gebe mein Wissen weiter)) gespickt sind und assoziativ-collagierend disparate Sinnfragmente miteinander verknüpfen, drückt sich Sinnverlust und Entropieerfahrung der (Post)moderne in einem urbanen und subkulturellen Kontext aus. Indem Taktloss' Musik sich des Primitiven, sozial Randständigen (daher: des A-sozialen) und des Trash bedient, semantische, soziale und politische Klischees spielerisch dekonstruiert, indem sie Genre-Konventionen im formalen Experiment subversiv unterläuft (vgl. etwa den Track "Was macht mein Label?" vom Album BRP 7) und einem ironisch-überhöhten, dabei sich selbst genügenden Provokantismus frönt, knüpft sie an ästhetische und diskursive Praktiken des Dadaismus und der Postmoderne an."
Taktlo$$: Ich versteh kein Wort, das ist nicht der Straßenslang, den ich gewöhnt bin. 



Samstag, 22. Oktober 2011

Unsere Großen XVII: Holger Hiller


Unterwegs zu einer neuen Form von "Tanzmusik" innovierte er als Mitbegründer von "Palais Schaumburg" liebgewordene Sound- und Sinnpatterns. Hier solo mit Jonny (du Lump) aus Ein Bündel Fäulnis in der Grube (1983):



"Ich habe festgestellt, daß ich unbewußt eine Stilrichtung verfolgt habe, die man als dadaistisch bezeichnet. Ich kannte Dada damals nicht. Heute kenne ich diese Sachen. Als ich es selber als dadaistisch wahrgenommen habe und eben andere Leute auch, wurde das zu einer Erwartung. Das wurde dann für mich sehr schnell uninteressant."
...und betätigte sich auch als Pionier der Videosamplekunst:

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Poetry Guerilla: Steffen Popp - Dickicht


"Irgendwann im Sommer 2011 im Berliner Mauerpark: liest der Lyriker Steffen Popp vor einer kleinen Gruppe auf Decken neben dem Birkenwäldchen dieses Gedicht."

Freitag, 14. Oktober 2011

Unsere Großen XVI: Der Goldt, Wissenswertes über Erlangen


Goldt was glänzt, keine Kolumna, stattdessen Pogo-Nonsense vielleicht, früher ungezähmter. Aus: Foyer des Arts, "Von Bullerbü nach Babylon" (1982):



Und noch ein kleines Stück aus Goldts Solo-Projekt "Die majestätische Ruhe des Anorganischen" (1984). Zugestanden, alles nicht ganz so Avantgarde, nicht ganz so verstörend wie die Tödliche Doris, dafür aber sprachbewusster:

Montag, 3. Oktober 2011

Unsere Großen XV [kleines "Einheit und Untergrund" - Special]: Bert Papenfuß "Unfugs Beginnens Verrichtung"


Eine Mischung aus "Barock und Dadaismus und Futurismus -- und das alles vermischt mit Elementen aus der sogenannten "realen Existenz" der DDR":




Und dazu ein kleines Hörbeispiel aus "Unfugs Beginnens Verrichtung" (Urs Engeler Editor, 1984) (Ton und Bild assoziationssensibel abgestimmt):

["Wollen wir noch ein bisschen mehr in die Sonne rücken?" - "Ja."]

Montag, 29. August 2011

Was ist eigentlich nochmal "FLOW"? - Raprealschule, Textfabrik


Retrogotts Lehrstunde: Flowklischees ausgestellt.



"Du musst dich entscheiden. Ich habe Lust, mich zu streiten / ich lese zur Zeit ein Buch ohne Seiten / was nicht so schlimm ist, wie es abzuschreiben / den nackten Verstand an aus Sand bestehenden Buchstaben zu reiben. Ich rate dir zu bleiben, wenn du gefesselt bist: verwechsel´ es mit Freiheit. Ich streue die Asche politischer Verfolgter in die Wahlurne / trage Sportschuhe, ohne dass ich turne. Ich will die Fakeness nicht entlarven, sondern dich zertreten, solange du noch eine Larve bist / und dafür sind mir Turnschuhe gerade recht. In Hitlers Atelier auf der Suche nach der Farbe Schlecht. "Ich hab sie!" Führ ich die Künste an die Grenzen / Aus welchem Grund montierte man die Münder an die Menschen? Meine Jünger führen Tänze um das goldene Kalb auf. Ich zersäge Stammbäume, nehm es mit dem Wald auf / Ich bin verwandt mit der Wand, schreibe mit Lasern ein in Sanskrit abgefasstes Transkript der Bibel in den sogenannten "Himmel". Was geschieht. Ich bin halb Mensch halb Zeitmaschine auf Speed. Schweiß´ deine Stahlraps auf den eisernen Beat. Zeig´ der Rapindustrie die Kraft (d)einer Fabrik. Alles zuschütten. Jedes Loch stopfen. Alles abreißen. Einfach wegschmeißen. Alles aufheben. Kamera draufhalten. Sei ein Schwert, Erde aufspalten."

Sonntag, 31. Juli 2011

Unsere Großen XIV: Der Krieg der Basen ist ständig im Kopf [Die Tödliche Doris]


Nicht zu vernachlässigender Mitbeweger der Genialen Dilletanten ("Dilletantismus auf musikalischen (aber auch allen anderen möglichen) Bereichen hat nichts mit Stillstand durch Nicht-Professionalität zu tun - ganz im Gegenteil - Entwicklung unter Einbeziehung aller möglichen und angeblich unmöglichen Bereiche kann ein universellen Ausdruck finden, dem die Profis hilflos unterlegen sind.", Wolfgang Müller), persönliche Stichwortgeber, Performance-Chaoten und De-Destruenten der Gefälligkeit. Die Tödliche Doris.


"Der Abstand zur Basis wächst." (Ursprüngliches Video leider von YouTube-Bord gegangen

Auf jeden Fall aber mehr und weniger zu empfehlen: Das MP3-Gesamtwerk der Tödlichen Doris, auf Anfrage per E-Mail versendet Mitprojektbegründer Wolfgang Müller entsprechende Links.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Zurück zur Erde -- Kiefer im eigenen Gegenwald


Schon wieder Ruinenliebe. Der Künstler als Knoten. Neben dem plätschernden Interview hebt sich vor allem Barjac, örtlich und eindrücklich, ab.



Und zur Anschauung:

Freitag, 15. Juli 2011

Unsere Großen XIII: Steffen Popp. Ohrenberg oder der Weg dorthin.



Aschmann, auf einer Fähre, im unteren Teil eines Doppelstockbetts, mit dem Blick nach oben: "ein dicker Mann taucht dort herauf, schiebt seinen mondweißen Hintern über die Holzkante. Aschmann, gelähmt, klammert sich an den Beckenrand, verfolgt das Manöver des Barons, der unerhört dick, unerhört geschickt zu ihm herabsteigt, von seinem Bett gleichsam sich abseilt: ein geologisches Mondauge ist wahrhaft der Arsch des Barons, kompakt, faktisch, unwiderlegbar in seiner Anwesenheit, der Baron." 

"Dann sitzen Aschmann und [Baron] von Aa unten auf Aschmanns Bett, der Baron kramt in seinen Taschen, hat Wein dabei: und, ist dieser Baron von Aa nicht ein Faschist, denkt Aschmann zwanghaft -- aber nein, der Baron ist nur reich, besitzt Weingüter, unterstützt christliche Künstler, die Impressionen von seinen Weinbergen auf Basaren verkaufen." 

"Warum denke ich nach, denkt Aschmann, warum verfolge ich Dinge mit meinen Geistschleifen -- weithin gedankenmüde, des Geistigen überdrüssig ist er, keine gerichtete Kraft, nur noch der Selbstlauf seiner Archive bewegt ihn, wie auch immer: vor Aschmann der fette Baron schwankt über Deck, zwischen technischen Aufbauten, prallt mit Wucht an einen Rettungsring. [...] Baron von Aa, was heult er denn hier auf dem Besucherdeck, vor einem Rettungsring, das ist doch lächerlich. Soll damit aufhören, von Aa, denkt Aschmann, selbst angeheitert, im Grunde zu, voll schwerer Liebfrauenmilch: Aschmann sieht ein, dieser Baron hat ihn abgefüllt."

Samstag, 9. Juli 2011

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungsreise XXI: Ein verweigerter Kommentar zum Bachmann-Preis

[...] Anderer Winkel wird eingenommen. Nichts Neues zu sehn...trotzdem, Wege legen sich nah. Brücken über niedrige Straßenkanäle. Ströme aus Pausenbrot, Kinderbacken, schweren Gefährten, eine Autobahn, eine brummende Urlaubskiste auf dem Weg in den Süden, Eltern drehen Gesichter der Rückbank zu, dann nur noch schale Karossen, durch Bäume geschoben. Hinten geht einer an der Baumgrenze, Martin, das Gatter geht auf, Gänse: ob schmaler Gehweg oder fern ersehnte Heerstraße: er sucht einen Anhaltspunkt, an dem entlang er sich dem erschütternden Schauspiel der Unbeholfenheit vor der Tafel entwinden kann. Nikolas neben ihm faltet die drei Kritiken auf: in kleinen Locken ziehen die Wolken davon, gewitterliche Arabesken glitzern naturschön, als wollten sie jemanden damit provozieren, in einen zögernden Schlund. Quiesel, gedankenlos hingemalte, blaue Röhrenfigur, bringt euch das Lesen bei. Die Lehrerin weint. Martin drückt mit einem Grinsen das Fenster auf: ich kann von hier aus gar nichts sehen. [...] Der elf-köpfige Soziograph schaltet die Übertragung ab. Kurioses beim Bachmann-Preis. Popps gedrungener Vortrag, besser schöner der geschriebene Text. Der elf-köpfige Soziograph zögert, zitiert nur ein vielversprechendes Gedicht:

O elefantischer Pan im Porzellantrakt der Musen
hinter den Schleiern suchst du Gesang, übst dich
in Gedanken: »Wir sind
                                ein Gespräch«, sagst du, »Wir sind
                                                                                   Elefanten«

und bist ganz allein mit diesen Sätzen
einsamer als Dialoge, Dickhäuter
einsamer als die Elektrogeräte des Weltalls

stromsparende Lampen, Wärmepumpen
verwahrlost und hungrig nach Liebe kommen sie
langsam heran aus dem unendlichen Dunkel

an deiner Raumkapsel, ihren geheimen Sprossen
an deinen klugen Händen und Knien
deinen schlafenden Füßen, geträumten Flügeln
reiben sie ihre Felle aus Chrom und Kunststoff …

Die angelernte Hilflosigkeit der Gegenstände
Unmöglichkeit einer Berührung

das Lied, unter seiner Nachtmütze aus Sternen
bewegt es den einsamen Boiler, den irrenden
                                                                Ventilator
dein irrendes Auge
auch

in eine Nestgemeinschaft ohne Strom
ohne Gedanken
nur gravitierende Körper, ihre beinahe
staatenbildende Panik vor dem Winter.

Steffen Popp [lyrikline.org]

Dienstag, 5. Juli 2011

Heidegger besser schneller gemeesen


Meese verwindet noch immer das Ideal einer allgemeinverbindlichen, objektiven "Kunst" und treibt die Metaphysik der Kunst-Autonomie durch seine schamfernen Übetreibungen auf ihren internen Wärmetod zu. Seine Kritik an zu großer emotionaler Verstrickung in Texte, die Anspruch auf objektive Geltung erheben, verdeutlicht allerdings -- ohne das vielleicht selbst allzu klar zu reflektieren -- die notwendige Selbstwidersprüchlichkeit eines jeden affekt-getragenen Universalismus.