Posts mit dem Label Soziograph werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Soziograph werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 17. September 2012

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungsreise XXII


Elf-köpfiger Soziograph. Gestern noch das Meer über Stunden an die Wand gestarrt, dem Gewitter die sommerliche Stirn geboten: Trotzdem keimen die Wolken weiter, keimen weiter, Wasser im Wetterglas, keimt Biosphäre 3, keimt Zauberland, keimt trauriger vor sich hin. 

Aber wessen Wolken woher? Und wieso überhaupt dieser Dunst? Und nicht viel mehr Gischt!?

Der elf-köpfige Soziograph zählt die Bestände: In der Hitze sind ihm alle Worte, sind ihm in der drängelnden Hitze unter der Hand getaut, in eigenen Linien zwischen die Fugen gelaufen. Und so unmotiviert, sagt er sich, wie unerzogene Kinder, hängen sie da jetzt herum. "So taugen die noch weniger als Personenregister", denkt der Soziograph, "verwaiste Seitenzahlen, noch weniger als unmarkierte Verweise, nicht abzugeltende, nicht einzuholende Schulden haben die sich aufgeladen -- die Worte stehen in der Kreide und schon holt die Welt ihre Netze ein: Du bist zu spät.

Zu spät, alle Züge fahren ohne dich ab, denkt jetzt auch Manuel, zieht dabei die Segel straff. Ein Wirbel der Euphorie, den er aufgegriffen hatte, "Ich habe nur einen Impuls konzentriert", sagt Manuel verlegen, "verschiedene Momente versammelt, die ohnehin schon in der Luft lagen", führt zu einem halben Jahr Unordnung, die als vergegenständlichter guter Wille noch ein weiteres Jahr müde über den Scheitel der Zeiten glotzt. Ich habe doch auch etwas beizutragen... Manuel geht an einer Kante, zerknirscht, etwas an der ganzen Sache war doch faul gewesen. Du hast alles richtig gemacht, der große Andere lenkt ein, aber auch erhoffte Erlösungsphrase zieht nach all den Jahren schwieriger Witterung die Maschine nicht mehr aus dem Schlamm, löst nicht die Verspannung im hinteren oberen Getriebe, legt auch nicht den Schalter um.

Ob das Quartär schon wieder hinten über kippt -- weiter tragen geborgte Sätze nicht.
[Re-Entry vom 23.07.11]

Freitag, 23. März 2012

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungsreise im Bahnabteil, eine Mikronovelle XXVIII

[Re-Entry 24.12.11]
Keine Goethe-Reise gemacht = der ekS auf fliehender Wanderschaft mit Blick auf weiten Flur (Einz Zwo, Unschuld vom Lande). Ein Signal öffnet die Portale: Zwei parallele "Vierer" (auch in der Unendlichkeit ungeschnitten) sofort besetzt: Maike, Sabine, Marlene, Karo, Delfi, Liha (und noch zwei) schief aber gerecht ins Abteil verteilt. Die eben noch in kleine Doppel zerstreute Unruhe wandert jetzt zur Mitte. Erste zögernde nervöse Wellen Lachen lösen sich zuerst aus Einzelmündern. Marlene wirft mutig zwei Sätze hin: zwei prusten gleich, der Rest schließt kaum vermittelt auf: Langsam setzt sich die Lachmaschine in Gang. Nach zwei kanonischen Lachsalven rollt die ganze Runde, unverwundbare Lachkugel, in organlosem Innen durchs Gewitter. Zuckende Wellen Gekicher ziehen durch den Gang, alte Herren fühlen sich unbequem gegen Wände geschoben, in Mitten unbeholfen ausgestellt; ernsthafte Mütter und ein Paar, anglophil und gelotophob, erproben sich an einer Empörungsblickkontakte-Blase, die an nächster lachender Spitze aber gleich zerplatzt.

Auch der ekS vermeidet Blickkontakte, wirft bunte ungeschliffene Worte als Irritationsgelenke gegen die Hülle der wabernden Lachgestalt: hinter Nagellack und einem schwarz-scheiteligen Horizont als Kante, kleine Ruinen an der Wange, stockt zwei Sekunden die Kugel. Etwas ändert sich. Marlene kompensiert den Schreck durch Wiederholung, findet nicht sofort wieder Anschluss. Dann entspannt Delfi den Regenschirm ins Abteil -- Verkantungen lösen sich, die Kugel ist wieder heil und ruckelfrei, lacht vorsichtiger weiter. Sabine brütet ernst. Kleine Phänomenologinnen des Alltags entdecken die Ähnlichkeit zwischen dem Türschlussignal und Emma, Lukas´ Lokomotive. Eine will auf einmal das Höhlengleichnis analysieren im Abitur. Der stille Zug sei gruselig, mutmaßt Marlene. Dann rollt er (noch immer oberhalb) ins Gleis, drei irritierte Passagiere auf dem Weg in Die lächelnde Röhre zum Abschied.

Samstag, 18. Februar 2012

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungsreise XXIX

Der elf-köpfige Soziograph versteht keine zwei-seiten Form; vergrämt keine widerstreitenden Pagen; der Soziograph verwendet nur selten Gouache
Die Binarität der Eloge

Doppelt gebunden: Spaziergang an einer Baustelle, sommerliche Großbäume, Großgebäude in passionierter Elegie sich freundschaftlich gegen elf trübe müde Notizgesichter neigend. Hinten ziehen kahle Bäume mit dem Spliss ihrer Baumspitzen Kritzeleien in den Wolken-Wunderblock

Chiffernschrift der Natur flüstert leise verblümt das Geheimnis der Poesie:
Order from Noise // Noise from Order
:eiseoP red sinmieheG sad tmülbrev esiel tretsülf ratuN red tfirthcsnreffihC.  

An der Grenze zu anderen Kontexten, äußeren Hüllen der Wirklichkeiten entlang. Hier keine Hintergründe: Letzter Versuch einer Umschichtung von Gewichten, Großgeschichten, Gesichter. Verschwimmende Immanenzfenster: drinnen fressen draußen auf wie vice versa auch.
Die Ununterscheidbarkeit der Symptome.  

Sonntag, 18. Dezember 2011

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungssreise XXVII


Der elf-köpfige Soziograph schüttelt den Kopf über ungenaues Gelächter, "ganz unsauber hingelacht", denkt er. Bildungseliten vertappen ganze Stunden, halbe Stunden auch, einfache Sätze, unscharf vorgeschüttelt, lassen schon Köpfe platzen, grölend. "So geht das nicht!", ein Unbeholfener unbeholfen.

Hier ist kein Humor mehr zuhause, denkt S., alle haben breite Münder und finden wieder zu sich selbst am Ende immer. Meldungslandeplätze: Steh auf, fühl dich schlau, sich mit offenem Mund durch einen Tunnel lächeln. "Das ist dein Karrierepfad." Nebelkerzenköpfe. Finde deine Wahrheitswertlücke.   

In der Ethik, die diese Art von Moral zu betreuen hat, bemüht man sich um eine vernünftige Begründung moralischer Urteile, und für deren Test sind die philosophischen Fakultäten zuständig und nicht mehr die Salons. Damit entfällt auch das Lernen des Sinns für Mehrdeutigkeiten, für Ironie, für Lächerlichkeit im geselligen Verhalten und jener Schliff im Verbalverhalten, der es ermöglichte, die Untiefen der Moral zu vermeiden. 
(GdG)

Montag, 31. Oktober 2011

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungssreise XXVI

Der elf-köpfige Soziograph vergisst seine Tiefflüge. Er überdenkt seine letzten Spielzüge, zieht seine Karte noch einmal zurück. Fenster wischen, Zwischensicht. Von einem Spaziergang an der Grenze kehrt er ernüchtert zurück: Nebel verstellt die hinteren oberen Lagen. In einem Café am Rande der Weltgenese sieht er sich jahreszeitenweise um, legt mit Blicken über die Straßen seine Wege zurück.

Knistern im Ohr zieht mit einem knirschenden Grollen irgendwo links. Das Mädchen nuschelt ungehalten:  

"Ich weiß noch gar nicht, was ich morgen machen soll. Ich hab zu viel Freunde" HAhA  
"Zu mächtig, du bist zu mächtig geworden, Uffie." 

Uffie untertreibt, alle möglichen Termine klappt sie in die Runde wie eine Bastelanleitung:  

"Christian hat gestern in ner halben Stunde sieben Kriege angefangen."  
"Typisch Christian." HAhA. 
"Ich hab letzte Woche mein Auto für 1300 verkauft und es für 700 wieder zurückgekauft."  
"Aber wie?" 
"Ich hab vor dem Verkauf die Zündung ausgebaut und dann über einen Freund zurückgekauft." 
"Das ist aber fies." 
"Wieso? HAha", Christians Grinsen zeichnet eine fiese Linie bis in den Zenit. 

Verschiedene Kinder, die über Treträdern liegen, lachen derweil müde der Speisung entgegen: "Ich hab vergessen was ich esse, Mama. Das vergess ich fast nie." Uffie immer noch am Hebel, seltsam selbstbewusst legt sie noch einmal vor mit Krankenhäuserspäßen. Unkonterbar, befürchtet müde der Soziograph, legt fast seine Stifte in eine andere Gegend. Wo aber Blamage ist, wächst manchmal das Rettende auch:

"Ist der Dekonstruktionismus nicht die Selbstorganisation des Tanzes ums goldene Kalb angesichts eines bereits erfundenen, wenn auch nicht näher bestimmbaren Gottes, wobei man der verlorengegangenen Tradition nachtrauert und sich durch eben solche Trauer in Abhängigkeit von der Tradition begibt, so daß sich nicht entscheiden läßt und auch nicht entschieden werden muß, ob es einen Mittelpunkt gibt oder nicht?"
(so ähnlich in: Dekonstruktion als Beobachtung zweiter Ordnung)

Dienstag, 18. Oktober 2011

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungssreise XXV

"Graf Ohrenberg weiß ganz genau, da ist nichts mehr zu holen, in seinem Kopf. Düsteren Sinns, steigt er zurück, vier Treppen hoch in sein Kabinett, zum Mikrofon und einem Bandarchiv, in dem gut tausend Stunden Text sich angelagert haben, nutzloser Ohrentext." 

Der elf-köpfige Soziograph geht in der Dunkelheit herum. Alles, was bis zum Zeitpunkt unausgetrunken, was angefasst und unverdaut in seiner Packung blieb, gehört jetzt ihm. Die halbe Schachtel Asia-Menü, die Tüte Fritten, zwei Finger einer Flasche Jim Beam. Trotzdem gewittert noch in ihm, gewittern seine Schritten [sick]. Er lässt an sich vorbei, in der Ferne, eine trübe Karawane ziehen, die unbewussten Augen, Einer auf Aggression, Einer will ein etwas aus ungemütlicher Tasche ziehen, einer wischt sich die Augen [Klar, Nazis].

Es flieht der Soziograph, der Soziograph muss fliehen. Kehrt aller Menschen-Stadt den prachtgeschmückten Graphen-Rücken, hält Zwillingsschatten gegen Licht am Weltenbaldachin: der elf-köpfige Soziograph fährt die Gassen zu seinen kühlen Gründen hin. In der Nacht -- sind alle Wolken seine, auch alle Geräusche gehören ihm. Sie aber bleiben ausgeschlossen -- und das der Unterschied.

Mittwoch, 14. September 2011

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungssreise XXIV

Der elf-köpfige Soziograph lauscht den großen Metaphoren. Alle im Bau schweigen still, ritzen müde Kannibalen ins Blatt. Jürgen, der Routinier, Jürgen, überstrahlender Stern einsamer Leuchtkraft am ideellen Firmament. Jetzt rückt Jürgen sein Papier zurecht. Alle Augen zeigen Alarm: Ein erster Schwank als Versuch in die Menge geworfen, verbales Honigkaramell. Doch schon verwittert seine Ironie ungenutzt im Aufmerksamkeitsgeäst. Du dröges Publikum!, sagt in seinem Kopf etwas echauffiert, Kannst du nicht zuhören? Murmeln purzeln durch die Luft, das Klima wird instabil. "Mein Kopf steht hier flach im Raum, wenn ich etwas sage. Mein Kopf geht als Atmosphäre durch den Saal." Jürgen stiehlt heimlich Eigentum, der Kugelschreiber ist jetzt seiner, vorhin im Hotel der Mantel jetzt auch. Er verliert den Faden. Er kommt aus dem Konzept. Keiner reißt sich jetzt noch zusamm. Hinten einer bricht sogar implosiv in Lachen aus. Das war nix. Dann doch lieber Latinismen: Jedoch das fundamentum inconcussum ist schon verloren, der Text ohne Profil, der Vortrag als Schlacht verloren. Opossum Absconditum. Munter und jung der Kollege übernimmt das Ruder. Einer der Rezipienten rettet ein Bild aus dem Tumult. Der Soziograph legt den Stift zur Seite.

Der Kosmos fließt (als Bewusstsein) wieder in sich selbst zurück [Remanationstheorie]

Montag, 5. September 2011

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungssreise XXIII: Auszeit beendet

Der elf-köpfige Soziograph legt das Besteck zur Seite, die eigenen Worte gehen zur Neige. Ruhepause Feierabend. Der elf-köpfige Soziograph vertritt sich die Beine, er kontrolliert Parkausweise, klimatisiert alle Bereiche -- auf drei. An seiner Stelle zwei hätten langsam "von hier" was von "da" gebraucht. Aber so stehen sie jetzt am Geh(-)leise -- geh nicht vorbei: "Von "hier" ist nicht mehr weit nach "da hinten"." Der elf-köpfige Soziograph zieht seinen Stift und legt ein Buch entzwei. Er würde gern Sinn vermeiden, leise notiert er in seine Kartei:

"Hallo."
"Hallo."
"Hast du das Buch dabei? Ich konnt das zuhause nich finden."
"Nurne Kopie bis Seite einhundertundzwei, der Rest warnich im Ordner."
"Ist da auch was zu Gender dabei?"
"Entschuldigen Sie mal bitte, wir haben es hier mit ADORNO zu tun, mit NEGATIVEN DIALEKTEN. Da ist viel Hegel drin und ein bisschen diffuses Gelände. Also, wenn du mich fragst, eine Theorie für Gekränkte."
"Aber ich mein: So am Anfang. Damit fängts ja an. Mit einer Unterscheidung."
"Kann ich zu nichts sagen. Da bin ich der falsche Mann."
"Und wenn wir drauf was trinken?"
"Ach, pack den Prunkhumpen wieder dabei, auch der geht heute an dir vorbei, der Kelchkrater im Theoriegelände."

Samstag, 9. Juli 2011

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungsreise XXI: Ein verweigerter Kommentar zum Bachmann-Preis

[...] Anderer Winkel wird eingenommen. Nichts Neues zu sehn...trotzdem, Wege legen sich nah. Brücken über niedrige Straßenkanäle. Ströme aus Pausenbrot, Kinderbacken, schweren Gefährten, eine Autobahn, eine brummende Urlaubskiste auf dem Weg in den Süden, Eltern drehen Gesichter der Rückbank zu, dann nur noch schale Karossen, durch Bäume geschoben. Hinten geht einer an der Baumgrenze, Martin, das Gatter geht auf, Gänse: ob schmaler Gehweg oder fern ersehnte Heerstraße: er sucht einen Anhaltspunkt, an dem entlang er sich dem erschütternden Schauspiel der Unbeholfenheit vor der Tafel entwinden kann. Nikolas neben ihm faltet die drei Kritiken auf: in kleinen Locken ziehen die Wolken davon, gewitterliche Arabesken glitzern naturschön, als wollten sie jemanden damit provozieren, in einen zögernden Schlund. Quiesel, gedankenlos hingemalte, blaue Röhrenfigur, bringt euch das Lesen bei. Die Lehrerin weint. Martin drückt mit einem Grinsen das Fenster auf: ich kann von hier aus gar nichts sehen. [...] Der elf-köpfige Soziograph schaltet die Übertragung ab. Kurioses beim Bachmann-Preis. Popps gedrungener Vortrag, besser schöner der geschriebene Text. Der elf-köpfige Soziograph zögert, zitiert nur ein vielversprechendes Gedicht:

O elefantischer Pan im Porzellantrakt der Musen
hinter den Schleiern suchst du Gesang, übst dich
in Gedanken: »Wir sind
                                ein Gespräch«, sagst du, »Wir sind
                                                                                   Elefanten«

und bist ganz allein mit diesen Sätzen
einsamer als Dialoge, Dickhäuter
einsamer als die Elektrogeräte des Weltalls

stromsparende Lampen, Wärmepumpen
verwahrlost und hungrig nach Liebe kommen sie
langsam heran aus dem unendlichen Dunkel

an deiner Raumkapsel, ihren geheimen Sprossen
an deinen klugen Händen und Knien
deinen schlafenden Füßen, geträumten Flügeln
reiben sie ihre Felle aus Chrom und Kunststoff …

Die angelernte Hilflosigkeit der Gegenstände
Unmöglichkeit einer Berührung

das Lied, unter seiner Nachtmütze aus Sternen
bewegt es den einsamen Boiler, den irrenden
                                                                Ventilator
dein irrendes Auge
auch

in eine Nestgemeinschaft ohne Strom
ohne Gedanken
nur gravitierende Körper, ihre beinahe
staatenbildende Panik vor dem Winter.

Steffen Popp [lyrikline.org]

Dienstag, 31. Mai 2011

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungsreise XX


"Guten Tag..oh, der Soziograph." 
"Ja" 
"Guten Tag" 
"Die Augen liegen ja heute wieder ganz gemütlich in der Schale." 
"Neee. Ich trug nur Wunden davon. Die Tage wieder weicher über dem Balkon. "Und deine Freunde?" Joa. Einer hat einmal einen Preis gewonn.
HAHA.
Zu spät schon wieder dann. War aber nicht so schlimm, weißt ja. ich hab mir alles nochmal überlegt, genau. Die AMBITIONEN. Ja. Wo zielen die eigentlich hin. Und muss das eigentlich so sein:

"Ich bin voll müde. Die Abende fühlen sich gar nicht mehr wie Freizeit an. Ist immer, du kennst das ja auch, als wäre das nur immer so weiter und dann halt: "Eigentlich hättest du ja doch noch mehr. und der Tag ist wieder RUM: morgenmüde, mittagmüde, abendmüde; dazu macht hinten der Kopf etwas, von dem ich nichts weiter sagen kann: Ich hab die Schwerkraft wirklich satt.

"Ich trinke den KAFFEE immer mittags mit einem KOLLEGEN am TRESEN; schleuder die letzten Worte den Liebsten als Wut an die Wand: 
Nimm dein Bildungsbesteck zurück. Mir schmeckts nimmer, gar nich: Ich bin doch eigentlich für was ganz anderes hier gewesen. Ich hab mir das alles doch ganz anderes vorgestellt.


"Oh, das klingt charmant! ..."


Da tritt ein müder Prophet an die drei unzufriedenen Diskutanten heran:

"Das alte Denken vertrocknet im Stamm; das neue Denken wird im Bildungsgestänge be-trieben. Flieht, solange ihr noch könnt, ihr Narren [zumindest dieser Link ist hermeneutisch unverzichtbar!], und fangt eine Lehre an!"

Sonntag, 15. Mai 2011

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungsreise XIX: Kalt draußen

Der elf-köpfige Soziograph, Steine hinter seiner Stirn, vermacht das gesammelte Sekundärliteraturpapier an einen ausgedienten Geigerzähler. "Ein prima Platz für Mittelklasseköpfe hier. Die ganzen Halbhemden schauen schon immer super drein.", die Stimme des Trolls, Blätter knistern. Nur langsam klingt die Rage ab: GüntherGrassGesichter vor fünfunddreißig sehen seltsam aus. Und sonst, naja, du weißt ja, wie das ist. Hier und da. Die Pfeifen schmauchen. Gitarren nachgezogen, der Primärlatino nebenher mit Proust gepunktet ("Wurstbude" statt "Kathedrale" heute), die Girls ziehen die Röcke straff, Perlen rollen aus Augenlidern.

Der Graph aber, voll Furcht, umschleicht das Ungeheuer, das den überspannten Akademiker, das unentdeckte Plagiat, den Titelübertreiber in den Augenblicken seiner schlimmsten Verwundbarkeiten plagt. Der MidnightTroll Among Us, alle Lottozahlen in agonischem Blau auf die verwirrte Stirn gedrückt: "Ich schade gerne anderen Menschen im sozialen Umfeld, ganz bewusst", der MidnightTroll räumt Schwächen ein, der Graf streichelt seine sinkende Wange. "Ich tue das aus Wut", Lippen zittern, das linke Lid läuft aus der Form; der Troll weiß nicht so recht. Die Situation lässt sich irgendwie nicht mehr lösen so recht.

Frühling im Auge. Die Wolken brechen auf.

Freitag, 25. März 2011

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungsreise XVIII

An einem anderen Tag verlor der Soziograph, es war schon kurz nach Mitternacht, die Stände aller Sparten, den angenagten Mund den Faden. Den Zugang zu stets Vertrautem, das heimatliche Ohr, den Wohnzimmerakzent in einer unbekannten Sprache: "Ich lästere ungern.", hat Andschelina gestern gesagt, Ernst die Lippen zu den Wimpern gerollt. "Gestern wieder der Michael. Und dann vorhin die Frau mit Hasenscharten [ARS]. Wer viel an einem Ort und so, und dann, und einer nochmal: "Das ist dann aber auch dein letztes Glück gewesen! Ich dreh den Hahn zu, radikal. Dann wirst du sehen!"" Aber alle schauen dir zu.

Der elf-köpfige Soziograph, müde vom vorangegangenen Abend, schüttelt sich den Traum von der Schulter: Im H&M noch eine Bluse mopsen, dahinter verschwimmt dann schon der Abend: In der Stadt noch unterwegs gewesen. In allen Fenstern Lichter an: keine Sau zuhause. Peter, Björn und Ingo spielen Skat, Kathrin lobt wieder den neuen Fetenraum im SX. "Viel größer als der im Z, ich finds eigentlich cool." 

Dann, endlich nicht mehr müde, frühstücksfrisch: [draußen fögel rundherum]

Wieso ist der Tag so saugemütlich!? Schon halb neun den Stuhl auf den Balkon, Kaffee. Alle erst langsam so Rolläden hoch und du chillst schon mit Safranskis Heidegger, Füße hoch, Zeltplatzmorgenluft.  

Du warst jetzt lang genug zu angespannt. Vergiss die alten Rivalen. Von jetzt kannst ganz alleine du so deine Spuren streuen und keiner fährt dir in die Paraden. 

Dann, elf Uhr, total entspannt. Telefon. Der Oberinquisitor dich voll so angepflaumt:  

"Ja, was machstn du?! Telefon und hier Balkon. Und Kaffee und Morgenluft. Und da draußen!? Checks ma, eeeehhhh, R.E.A.L.I.T.Ä.T." 

"Komm mal klar jetzt, was bist denn so aggressiv!?"

Montag, 14. März 2011

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungsreise XVII

Der Frühling könnte keine Zeit für Soziographen sein. Aber doch. Der elf-köpfige Soziograph vermacht die letzten Budget-Sparten an jemanden mit "frischem Anti-Atomkraft-Rückenwind" (ARD-Morgenmagazin) [!? -> Renate Künast]. Röttgen jetzt hinter schwarzem Rahmen!?

"Was denn los!?"

Mal "Live-Ticker" prüfen: Liebühen: vier Stunden vorne dabei: was konkretes: "Aufständische hilflos - aber dennoch zuversichtlich" (Tagesschau) : lieber aber wieder Beben: wann explodiert das endlich ("Ich sag mal zynisch: Ich freu mich, wenn der dritte Reaktor in die Luft geht [!?]" (Morgen-Magazin, Korrespondent).  

Der elf-köpfige Soziograph flaniert auf breiten Straßen, kein Dachgeschoss soll meine Stütze sein, in keinen Keller sperr ich meine Träume.

Hilft alles nix: Im Garten GAUdi: "Not-in-my-backyard"-Bewegung, Fahnen-Karneval: "Lieber JETZT Tunnel-Technologie!" auf Plakaten. Mappus klaut der Merkel Atomkraft von der Stirn.

"Ehhh, wo isss der GABrieLLe!? GABrieLLe, jetzt wart ma:! Erst das Fressen, dann ab durchs Parteiportal!"

"Klasse, dass Sie eingeschaltet haben! [...] Fast im Minutentakt erreichen uns seit Freitag neue Meldungen und das sind immer - und das erstaunt wirklich (aber holla!) - HIOBSBOTSCHAFTEN" (Anne Will) 

Wir haben hier auch ein paar Vorher-Nachher-Bilder vorbereitet: "Gestern top, heute Flop - Wenn "Häuser wie Papphäuser davongeschwemmt" werden" 

"Wenn Hollywood uns die Bilder gezeigt hätte, die wir seit gestern im Fernsehen sehen, hätten wir sie als "vollkommen unrealistisch und übertrieben" mit einem müden Lächeln abgetan." (Morgen-Magazin)

Puh, am Abend alle Katastrophenmüde:

"Andi, jetz´ setz dich doch mal in meine Lage rein!" 
"Geht nicht mehr, totaler Puff im Kopf. Lass morgen nochmal mit Ruhe drüber reden, okay!?" 

Mittwoch, 2. März 2011

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungsreise XVI

Der elf-köpfige Soziograph, beleidigt und stark, tritt aus dem Freien ins ausgewühlte Gras. Müde, schwere Augenlider, Thymo an Vaters Butterbox: "Wer zeigt hier starke Nerven? - Keine Chance für Mammis Dickling! [Zeigefingerzorn]"  

Der Soziograph am Badewannensaum: "Noch nie hab ich geträumt!" Die Seiten stehen auf Sturm. Die Augen warten auf den Badeschaum, eine Figurengruppe aus den Blasen [Venus von Milet]:

Mammi schiebt die Kalorienkarre aus dem Kaufhaus.  

"Alles klar, Mammah?"  
"Nein. Alle wollen heute immer oberfit sein, ich seh das nicht mehr ein!"
[Nadiene] weint: "Mammi, hör doch bitte damit auf! Du machst dich doch kaputt!" 

Die Familie grüßt traurig über Video-Kanal:

"Die kerzön hammer fürr döch angezündn.."

Eigentlich waren einfach alle allein... :-(

Lübien stürzt ab. Das Ereignis findet nicht statt. Der Gast wird nicht empfangen. Mutter, stell den Kuchen wieder kalt. Die letzten Tage. Der ungekochte Kaffee steht sauer an unserm Magen. Alle tragen Worte nach Gilet. Guttenberg barfuss bis Canossa [hä!? zu aktuell!]. Deine Häfen: Keiner möchte warten.

Sonntag, 13. Februar 2011

Der elf-köpfige Soziograph verteilt Bildungsausweise XV


Der elf-köpfige Soziograph tritt nach drei Wochen geleckten Sonnenscheins aus seinem Verschlag: Alles hat sich brachial verändert auf einmal. Mit dem Winter hat E R jetzt nichts mehr am Hut: Die Tage offen wie Kirchentore strahlt er der aktuellen Perspektive nach: Seine neue Haribo-Mentalität lässt ihn nicht länger wählen zwischen Pech und Cholera, sondern zwischen rot, gelb und grün, alle aufgefädelt auf die dehnbare Partykette am Handgelenk: Bis heute Abend noch Plauze, ab morgen dann wieder nur noch Studio und Tütensuppen. -- Askese that is. [Grüße an Gasolini]

"Ich hab Clublust!", Dieter schwärmt von der Karibik und den cremigen Bräuten da ("Butterweich, wie Caramel, die Dinger!"). Durch seine stylishe Maredo-Attitüde ist ihm schon das ein oder andere heiße Steak ins Netzs gegangen letzten Freitag. "Da brauchst definitiv kein Salz und Pfeffer mehr: raketenscharf die Hüpfer!"
Der Bartender zieht noch schnell mit seiner stählernen Dampflanze die Milch auf ["Alles ready!? Frisur sitzt. Die Linke Wange glänzt noch bisschen. Kannst du das noch schnell korrigieren, Eileen!?"], dann kanns also losgehen.
"Das ist echt mein erster Fernsehauftritt heut´. Muss ich da an irgendwas bestimmtes noch denken? Und wenn ich während der Diskussion aufs Klo muss!?" "Das geht nich." Also vorher noch alle Sicherheiten einschätzen, Kehraus mit alten Bekannten. "Jessy, mach mal noch die Flaschen für die Tische bitte schnell fertig, jaa!?" Na klar, Professionalität ist heutzutage alles im Geschäft.

Der Soziograph darf nicht auftreten, sowas wie Vampirgeheimnis, aber er guckt halt zu.

Samstag, 22. Januar 2011

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungsreise XIV


Er winkt den Gruß aus einer ferneren Zeit [2.0 - Lyrik]:


Der elf-köpfige Soziograph lässt sich in diesen 
Tagen von unverhofften Zukunftsängsten plagen. 
Die letzte Stimme ist lange her, 
die Stille in seinem Kopf verschlingt ihm seinen 
Atem. 

Hat er, der immer über Worte fiel, 
denn überhaupt etwas zu sagen?  

Der Blick wird eng, noch lächeln die 
Fassaden, 
doch hinter Österreich und einem Tisch 
in Spanien funkelt eine Stadt, in der ihn Straßen nicht mehr tragen.
Er verwirft alle letzten Passagen, und schreibt über Fragen:


Drama - Die ersten Tage der Gekränktheit

I. Szene

[Versammlung glücklicher Menschenkinder: Alle haben was zu sagen und jeder hört einem anderen zu. Kekse und Kuchen. Mammis gemütlicher Kaffee-Mund. Bunte Wolken wolken um ihre Stirn. Kinders Augenkörner glänzen im Kreis: Plastikfolien in der Weihnachstszeit. Die ganze Szene verweist auf Vater, der offensichtlich wenig anwest, schmaucht seinen Tabak und liest.]

Vater: "Sagt mal, Jungs, was stellt ihr denn so mit euern Mädchen an?" 

[Ihre Blicke werden zu Fragen.]

Vater sagt: "Ich mein, ihr werdet doch schon welche haben!?" 

Mutter sagt: "Vater, jetzt lass es doch! Die Jungens wissen schon genau, was, und warum sie es dir sagen."

Freitag, 14. Januar 2011

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungsreise XIII

Verstiegene Erwartung lag, die Tage waren noch nicht wieder wirklich lang, auf diesem Nachmittag. Wolken um ein Kandelaber. In allen Zügen der Fassaden graupelige Ungemütlichkeit: der Firn der späten Tage. Der elf-köpfige Soziograph erhebt sich aus seinem Gemach; von hier bis morgen zielen die Versuche, das Glück der ungesuchten Ruhe über einer Notiz vorletzten Donnerstag: "Ihr hysterisch überschnappendes Lachen eine selbsttätige Person, springt wütend vor ihr weg, um den ganzen Raum so unangenehm auzutappen; zu deutlich ausgestellt die langverwürgte Wut noch im beiläufigsten Versuch von Langeweile."

Der Soziograph: neulich unterwegs in Seminaren:

"Du bist ein Königskind, Jakob, dein "stiller Stolz" wird deine überspannte Hoffnung tragen."  Der Lehrer schaut sich um, zieht noch das abschließende "Gut." nach "Zu diesem Teil noch irgendwelche Fragen?" schlürfend zwischen bleiche Zähne, glucksig lachen gegen die Verlegenheit [wie eine Lokomotive, die immer noch zu spät im Bahnhof steht]. Die Glocken läuten. "Okay, auf nächste Woche dann die Internats-Passage, zwei Seiten jeder. Ich geh rum!"  

Samstag, 8. Januar 2011

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungsreise XII

Immer noch müde. Der elf-köpfige Soziograph kann mit einem Mal durchgreifen in ältere Bewusstseinsschichten: Urtümlicher Knödelgeruch in einer Ski-Hütte seiner Kindheit, feuchtes Holz und das ungelenke Stapfen von Ski-Schuhen über einen schmierigen Untergrund. Frühlingsfrische Luft. Ein sonniger Morgen nach Regen auf einem Campingplatz. Halbgeschlossene, magische Schalusien in Vorzimmern italienischer Absteigen versprechen einen schon zur Gänze aufgestandenen, jubilatorisch zupackenden Tag, der sich wie die förmliche Einladung liest, jetzt da draußen etwas zu unternehmen. 

Irgendetwas, das den Gang des Lebens gehemmt hatte, hat sich gelöst. Nicht, als wäre ein Schleier von der Welt genommen, als hätte sie sich vielmehr selbst geöffnet um überhaupt wieder nach etwas zu schmecken, als wäre sie selbst heute tatkräftiger und zuversichtlicher als gestern.

Der elf-köpfige Soziograph vergisst seine Aufgabe und schreitet in Gedanken die alten Wege ab: In einem Vorstadtdorf wäscht ein alter Mann "seinen Wagen" mit einem Wasserschlauch. Der Unbekannte darf passieren. Um halb eins steht die Umgebung in einer fahlen, wie auf der Lauer liegenden Agonie zu ihrem letzten verwüstenden Ausbruch bereit. "Todestriebhafte" Träume lassen die Hausfassaden noch einmal unbewegt zucken, während drinnen die noch heißen Töpfe auf die Familien warten: der elf-köpfige Soziograph -- unerkannte Totengräber der Literatur. 

Montag, 3. Januar 2011

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungsreise XI

Der elf-köpfige Soziograph ist betrübt: seine Basis-Depression hängt ihm zum Halse heraus, die kotzt ihn ziemlich an. Jeden Tag der gleiche Schrott: Aufstehen, der Lähmung entgehen, Frühstück oder nicht, Kaffee oder nicht, Brezel oder nicht, Super Nintendo oder nicht. Das kann so nich länger weitergehen: Der elf-köpfige Soziograph tritt den Weg in die Fitness-Oase an und wirft sich den Sportrucksack locker über eine Schulter, wählt seinen feinsten "Pendelnde-Schulter"-Gang und passt ihm auch das harmonische Kreisen der schlacksigen Hüften an. Schon wird sein Blick präziser: Glastür gegen dich, Ankündigung der unbarmherzigsten aller Spiegelwände, "Dein Gesicht auf meiner Titelseite: bald bist du der vergessene Traum der vorletzten Frauengeneration", hold on.

Der Soziograph ist baff: Gerade die Treppe rauf, schon weht ihm der raueste Proleten-Sturm steil ins Gesicht: Hantelbänke klirren übel durch den Raum wie archaische Telegraphen, kurze, ruppige, verächtliche, schmeichelnde, anzügliche, erniedrigte Blick-Attacken fliegen von rechts nach links über die Butterfly-Geräte, und wenn 100-Kilo-Ingo dich nach einer Woche Abstinenz erst einmal nicht mehr grüßt, kannst du dich in der Sauna auf Häme gefasst machen, dass dir die Blätter nicht mehr grün werden: Die Depression ist vergessen, jetzt durch ein sanft ambitionierendes Gefühl von Erniedrigung ersetzt.

Der Soziograph lenkt ein, bewaffnet mit Erkenntnis und Interesse hat er die Boliden belauscht:

"Ich mach mir immer einfache Gemüsebrühe, das schmeckt und füllt auch, wenn man halt genug davon in sich rein löffelt. Das ganze künstliche Zeug kannst den Hasen geben: Ich sag dir: Fünf kleine Mahlzeiten am Tag, buntes Obst, von jeder Farbe was, und Gemüse, das reicht vollkommen."
"Oder halt nur Nudeln, ich mach jetzt zwei Wochen reine Kohlenhydrat-Diät. Wirkt richtig Wunder, dazu hier vier Stunden am Tag Power-Workout, alles: Schulter, Beine, Arme, Ausdauer, alles voll ans Limit, die meisten vergessen halt Beine und sehen dann irgendwann wie gespritzte Affen aus. Und nächste Woche dann nur noch Magerquark mit Orangensaft."
"Siehst du die da hinten?"
"Die Kleine?"
"Ja, kommt jeden Tag hier eineinhalb Stunden Laufband."
"Nee, muss´ch ma´ beobacht´n."

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Der elf-köpfige Soziograph auf Bildungsreise X

Der elf-köpfige Soziograph tritt stählern vor die Tür. Lange war er, so, nicht mehr hier: "Geburtstadt ist Herkunftsstadt und Heimat ist, wo man zur Schule gegangen ist." Er reibt sich die Augen: wie aus einem Traum steigen bunte Bilderbänder vor ihm aus der Flur: Ein Eindruck unerwarteter Tiefe - das kranke Papiertheater seiner verschlafenen Erinnerung blüht beißend vor ihm auf.  

"Es ist Zeit", beide Zeiger zeigen schon lang nach Mitternacht, draußen biegen die Wolken eine Schale gegen seine Stirn. "Wer freundet sich schon an mit sowas hier?" - Die Häufung deiktischer Ausdrücke macht ihn wütend und ungeduldig: lange wird er ihre lachsen Verweise nicht mehr ertragen. Der elf-köpfige Soziograph will tacheles reden. Aber zu welchem Zweck?, ja, vor allem aber und überhaupt: mit wem eigentlich? 

Aber, ach, ganz gleich, ob nun mit und oder ohne Zweck: Der duftende Grog vom Morgen trägt ihn auch jetzt noch warm durch die schwarzgekleidete Nacht. Einen guten ""Wallungswert", nämlich Rauschwert" hatte der; Nahrung für den ligurischen Moment:

-
Am Morgen Vorglühen auf Heiligabend, der zweite Glühweinstand [Eine städtische Schneelandschaft, vier Kavaliere, eine (etwas große) Frau in deren Begleitung]:

"Weißt´, die Gate-Schlange stand ja schon bis zum Siekjuritie. Wir standen da erst, dann wars uns aber echt zu blöd, da sind wir dann einfach rechts vorbei, war ja auch schon eh mörder spät, weil die ganzen Busse nich gefahren sind.  Wir dann also erstmal: Gate passiert, Passkontrolle,  und die haben uns echt alle gemustert, als wärn wir von anderswo ["Gehts noch???"]. Hat auf jeden Fall alles nochmal voll lang gedauert, keiner wusste überhaupt und wie und wo und was. Kannst dir ja denken. Also, ich sag mal echt so: "ServiceWüste Deutschland"!"